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Geschichte der Herzöge von Zähringen
Entstehung
Seite
481
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Bertold V in der Ueberlieferung. 481

von Mund zu Mund der geistlichen Leute fortgepflanzten Erzählungen gelangtund dort aufbewahrt geblieben; was er bringt, möge der Vollständigkeitwegen auch hier ein Plätzchen finden:

Als einige Leute zu jener Zeit am Berge Gyber sich ergingen, hörtensie eine starke Stimme rufen:Rüste den Ofen!" Nach kurzer Zeit rief'sebenso. Als die Stimme zum dritten Male rief:Rüste den grossen Ofen!"scholl es zurück:Für wen soll ich's thun?" Darauf:Unser lieber Freundkommt hierher, der Herzog von Zähringen, der so viel für uns gethan hat." Jene merkten sich Tag und Stunde und schrieben an den König Friedrichmit der Frage, ob etwa in dessen Reiche ein Herzog von Zähringen gestorbensei. Darauf erfuhr man, dass zu derselben Stunde und an demselben Tageder Herzog Bertold von Zähringen gestorben sei. Es war aber jener Herzogein entsetzlicher Tyrann 1440 , Ausbeuter des Erbes von Edlen wie Geringen,und Einer, der vom katholischen Glauben gewichen war. Da er keine Nach-kommen hatte, war es nur das Laster des Geizes, das ihn Massen von Geldaufhäufen liess 1441 . Als er aber an's Sterben kam, bat er seine Vertrauten,alle seine Schätze in einen Haufen zu bringen. Gefragt warum, antworteteer:Ich weiss, dass meine Verwandten, die sich auf meinen Tod freuen, sichmeine Schätze theilen werden. Wenn sie aber auf einen Haufen gebrachtsind, werden sie sich gegenseitig umbringen." Siehst du, welche Abgunst?Das ist mir von zwei Aebten erzählt worden, von denen der eine aus demHerzogthum Zähringen war [Caesarius lebte 1199 bis ungefähr 1240 undschrieb 1221 und 1222 1442 ], der andere versicherte, ihm sei dasselbe voneinem Abte erzählt worden, der den vorhin erwähnten Brief bei KönigFriedrich vorlesen hörte. Der Gyber aber ist wie der Vulcan (Vesuv)und Aetna ein unmittelbarer Mund der Hölle; kein zum Fegefeuer Erlesener,sondern nur die gänzlich Verdammten werden in ihn verwiesen.

Wäre Bertold V ein vorsichtiger Mann gewesen, hätte er von demErbe, das an die Verwandten fiel, auch an den Uracher Neffen in Thenen-bach und dessen Kloster bei Zeiten ein Theilchen vermacht und so die Er-innerung an manche in der That wohl gerechtfertigte Beschwerde ausgelöscht.

gedruckt 1698) enthaltene Behauptung der Vorliebe Bertold's V für Menschenfleischwendet.

1440 tyrannus ;derselbe Ausdruck mehrfach in dem zu 1215 (oben S. 475 f.) benutztenThenenbacher Bericht.

1441 Vgl. dazu avarissimus et omni iniquitate plenus Chron. Ursperg. SA. 74. Der(praemonstratensische) Chronist von Ursberg ist der einzige, der sich (zu 1198) genauermit den beiden Uracher Neffen Bertold's V, den Cisterciensern Konrad und Bertold, demAbt von Thenenbach beschäftigt, vgl. ibid. 75f. und oben S. 449.

Sehr reich und geizig(,vast gitig')" hat dann auch der späte Vadian, ed.E.Götzinger,St. Gallen 1875ff., Bd. I 249 [gitig = gütig würde nicht in den Zusammenhang passen].

1442 Daher der Beginn seiner Erzählung: circa hoc triennium: 1218.Heyck. 31