Passive Haltung im Thronstreit. 459
da ihre Namen hier einmal bei einander stehen; es sind die Erzbischöfe vonMagdeburg und Bremen, die Bischöfe von "Worms —Konrad von Strassburgfehlt —, Passau, Regensburg, Constamz, Augsburg, Eichstädt, Havelberg,Brandenburg, Meissen und Naumburg nebst dem Electus von Bamberg, dieAebte von "Fulda, Hersfeld und Kempten, der König von Böhmen, die Her-zöge Bertold von Zähringen — er steht voran —, dann die von Sachsen,Oesterreich und Meran, der Landgraf von Thüringen, die Markgrafen vonMähren, der Ostmark, Meissen und Brandenburg, die Grafen von Orlamünde,Somerschenburg, Brehna und "Wettin. Sie erklärten nun, bei den Fürstenstehe es allein, den König durch "Wahl zu erheben und bei Wahlstreit sichüber den rechtmässigen König zu einigen; aber denMuth fanden die Verfasserdes Protestes nicht, die Einmischung, die sie damit abwehren wollten, inInnocenz selber zurückzuweisen, in schwächlicher, thörichter Klügelei sprachensie von der Anmassung des Legaten und gaben sich den Anschein, dessenBestrafung fordern zu können 137S . Das Schreiben wurde durch den SalzburgerErzbischof, den Markgrafen der Ostmark und den Abt Eberhard von Salemnach Rom überbracht, wo es erklärlicherweise ohne jede Wirkung blieb.Philipp war vom Papste verworfen und seinen Anhängern blieb der Bann,den der Legat ihnen angedroht hatte.
Bertold blieb seinem bisherigen Verhalten getreu. Den Böhmenfürstenund den Thüringer Landgrafen gelang es dem Papste, von der Stauferpartheiloszureissen; aber an Bertold von Zähringen musste er, wie an die Herzogevon Sachsen, Meran, Oesterreich, Baiern und den Ostmarkgrafen am 13.Dec.1203 angesichts der Erfolge Otto's von Neuem die dringende Aufforderungrichten, nicht bis zur zwölften Stunde mit dem Anschluss an diesen zu warten,damit nicht etwa ihnen, wie den thörichten Jungfrauen des Gleichnisses, ein„ich kenne euch nicht" zur Antwort ertöne 1S74 .
"Wenn so Herzog Bertold in den Reichsangelegenheiten in der Haupt-sache nur eine passive Rolle spielt, so suchen wir auch in seinen Landen ver-geblich nach literarischen Spuren seiner Thätigkeit. Es scheint, dass Bertold V,der mehr als jeder seiner Vorfahren Werth darauf legte, Territorialherr zusein und gerade als solcher in fürsorglicher und durchgreifender Thätigkeitseine Befriedigung fand, derjenige Herzog, der so Vieles geschaffen, so Vieleseingerichtet hat, wobei seine Urheberschaft doch immer nur mittelbar, jazufällig bekannt wird, und der die Mitlebenden und die Nachwelt mehr wieirgend Einer seines Hauses hat von sich reden machen — es scheint, dassdieser Herzog es mehr hebte, durch kurzes "Wort zu regieren, als durchdie Hände der Schreiber. "Wie wenige Schriftstücke im Verhältniss sind von
1878 B.-F. 65. Vgl. die Darlegung Winkelmann's 254f.1874 Reg. de negot. imp. Nr. 98, S. 703.