Aufgedrungene Wahl. 447
der Söhne seiner an Egeno von Urach vermählten Schwester, beide Trägerzähringischer Namen, Konrad und Bertold, von denen der Erstere in diesenseinen jungen Jahren schon eine Domherrnstelle in dem Bisthum seines ver-storbenen Grossoheims, in Lüttich hatte 1330 . Sie wurden alsbald nach Cölngeführt; Bertold V dagegen zog den Bhein hinauf und der Heimath zu.
Ein zukünftiger König, der Geissein hatte geben müssen, dass er esüberhaupt werden wolle. Und die Vorsicht war nöthig genug gewesen; sobaldder Herzog den geistlichen Herren persönlich entrückt war und mit denSeinen allein seines Weges zog, da kam er zu sich selbst zurück und gab denüberstimmten Bedenken wieder Gehör. Freilich hat er noch einen Brief anden Papst gesandt, der den Aussichten des „Herzogs von Schwaben" abernur noch unschlüssig entgegenarbeitete 1331 . Mehr und mehr ward er inne, wiegross und bedeutend doch des Staufers Anhang im Reiche sei. Dazu kameines noch. Bertold war ein Fürst, der in besonderer Weise über flüssigeMittel verfügte und auch eben deshalb mit von seinen Wählern in Beschlaggenommen worden war 1332 . Zu den 1700 Mark an die beiden Erzbischöfe,zu denen er in Cöln schliesslich überredet worden war, kamen in kürzesterFrist 6000 Mark, die ihn seine Anhänger kosteten 133S . Bertold sagte sich,dass sein Gegenkönigthum gegen den an Hausgut so reichen Staufer ihngrössere Opfer kosten müsse, als er sich und dem Erbe seiner Väter zumuthendürfe. So war es ein sehr natürlicher Gedankengang, wenn er sich entschloss,höchstens noch eine etwaige einstimmige Wahl durch alle Fürsten, die alsoPhilipp ohne allen Anhang lassen würde, annehmen zu wollen 1334 . Ernstlichwar daran freilich nicht zu denken; es war nur eine Ausflucht gegenüber denihm abgerungenen Verpflichtungen.
In dieser Stimmung tiafen den Herzog Bertold die Verhandlungen,welche in erster Linie der Bischof von Constanz und Abt von Reichenau,Diethelm von Krenkingen, den schon die Abkunft aus einem den Zähringern
unhaltbaren Angabe, Innocenz III habe Bertold's "Wahl veranlasst; Reiner Leod.MGSS. XVI 653 f. Alberti Ann. Stad. MGSS. XVI 353: ducem Zaringiae, qui noluitacceptare.
1880 Ueber ihre Vergeisselung Chron. Ursperg. SA. 75. Vgl. über sie FUB. I 71 ff.;Riezler, Gesch. d. f. H. Fürstenberg 69 ff.
last j) er B r j e f ^t nur au8 einer Erwähnung Innocenz' III bekannt, Reg. de neg.imp. S. 707; über den Zeitpunct vgl. Winkelmann S. 72, Anm. 1. Innocenz III kehrt(vgl. unten den Brief zu Anm. 1366) die Absicht des Herzogs gerade um
1882 Chron. Ursperg. SA. 74. Es braucht das Wort pecuniosus.
1888 So konnte wenigstens K. Philipp im Jahre 1206 dem Papste erzählen. Reg. denegot. imperii I 746, Nr. 136.
1884 So die gut unterrichteten Ann. Marbac. 169. Die Scheu vor den Kosten er-wähnen auch das Ohron. Ursperg. SA. 75 und das Chron. Ebersheim. S. 21 f. derBöhmer-schen Ausgabe (MGSS. XXIII 448): secum de gravi läbore et expensa discutit.