436 1191.
wegte Zeit, die mit den anderen Helden der alten Sage auch die Recken-gestalt des Dietrich von Bern, die dem Gedächtnisse des Volkes nie ent-schwunden war, durch den neuen Kunstgesang in den Burgen der Edel-herren und Ritter und in den Hallen der Fürsten heimisch gemacht, ihrein neues glänzendes Bild gegeben hatte. Und gerade für den Zähringer-herzog lag in diesem Namen ein eigenthümliches Gedenken. Schon längstnannten sich seines Hauses markgräfliche Vettern wieder Markgrafen vonVerona, obwohl sie es nicht minder verloren hatten, als die Herzogslinie,deren besonderer Ahnherr, Bertold H, selber ebensogut wie Hermann I einMarkgraf von Verona geheissen hatte 1301 . Lag es da dem Herzoge, der eineBenennung der Stadt frei zu finden hatte, so ferne, dem ruhmbedecktenNamen eine neue Stätte zu geben und das Bern, von dem die Lieder undSagen kündeten, seinem Hause, das ein näheres Recht daran hatte, in über-tragener Weise zurückzugewinnen? Verona nannten die Lateinschreiber dieferne italische Stadt, das kam für ihn nicht in Betracht•, er nannte sie,wie sie das Lied und der deutsche Mund allein kannten, Berne, und er wolltewohl, dass der deutschen Stadt in Burgund nur der deutsche Name gehöre,nur die Gründung eines neuen zähringischen „Berne" durch die Welt be-richtet und bekannt werde 1302 .
Während dies alles durch Bertold V geschehen war, war inzwischendas Steuer des Reiches gänzlich in die kraftvolle jüngere Hand übergegangen,die schon mit seiner Führung betraut gewesen war. Am 20. Juni 1190hatte der grosse Kaiser den Tod gefunden, den Tod des germanischenKriegers der mythischen Vorzeit, der im Ungestüm eingeht in Walhall;Ende September 1190 erscholl die erschütternde Kunde davon durch diedeutsche Heimath. Und bald danach kamen auch schon die Augenzeugenzurück, die Kreuzfahrer, die mit dem Kaiser ausgezogen waren und alser ihnen genommen war, gebrochenen Muthes umkehrten. Mit ihnen BischofRudolf von Lüttich. Er hatte auf dem Marsche und in den Kämpfen inKleinasien das Fürstenblut bewährt, das in ihm in gleichem Drange wiein seinem verstorbenen Bruder wallte; wie dieser in den Kämpfen der Lom-bardei, so hatte auch Rudolf, der das Banner der schwäbischen Schaarim Kreuzheere trug, in tapferen Thaten geglänzt, eine Gestalt, kleiner anRuhm und Verdienst, aber darum doch vergleichend anzulehnen an die
1801 Oben S. 114.
1802 Die älteste Schreibung ist Berne (F. r. Bern. I 501, aus dem Jahre 1208) undneben dieser deutschen Form etwas später vorkommend die lateinische "Wandlung mitvollerer Endsilbe: Berna und dann auch das Neutrum Bernum mit Berno, nirgends Verona.Vgl. MDSR. VI 24f., 66; Handfeste von 1218 und Urkk. F. r. Bern. I u. II; Siegelumschriftvon 1224 ibid. II 45; Ann. Bern. MGSS. XVII 271 ff. — Verbindungen mit dem Bärender Volksetymologie kommen weder lateinisch noch erkennbar deutsch vor.