Der Burgunderaufstand. 431
des Herzogs i. J. 1190 zerstörte, denn hätte Thomas diesen Thurm derLausanner in seinem späteren Kriege (1211), der wohl gegen den Herzoggerichtet war, zerstört, was an sich unwahrscheinlicher ist, so hätte Roger,der nach darüber zwischen Rom und Lausanne und sonst gepflogener Ver-handlung endgiltig am 9. Jan. 1212 resignirte 1282 , schwerlich noch günstigeZeit zu dem Neuhau — dieser steht als Ruine noch — gehabt. DieserBund Bertold's und Thomas' wäre insofern noch verständlicher, als sichdurch die von Heinrich VI am 7. Mai 1189 zu Basel vorgenommene Ueber-tragung der Regalien an den Bischof von Sitten und die ausdrückliche undmehrfache Betonung der unverbrüchlichen Reichsunmittelbarkeit dieses einstzur zähringischen Statthalterschaft gehörigen Bisthums in gleicher "Weiseder Herzog wie sein Vetter, Graf Thomas, an dessen Vater einst Bertold IVseinRegalienverleihungsrecht weiter übertragen hatte, beleidigt oder wenigstensverstimmt fühlen konnten, wenn auch immerhin der Zustimmung des jüngerenGrafen, Thomas', bei jener Verfügung gedacht wurde 1283 .
Ein solches Bündniss der beiden Fürsten gegen die Bisthümer undihren Anhang würde aber eines in vortreffliche Beleuchtung rücken, dasJustinger noch erzählt: Bertold V habe in der der Gründung Berns (1191)vorangehenden Zeit grosse Kriege mit. denen im Rhönethal gehabt, wobei derHerzog mit Heeresmacht und Gewalt über die Grimsel, was bis dahin ganzunerhört war, in's obere Wallis gezogen sei. Ein derartiger Marsch, imEinverständniss mit dem Savoyer unternommen, konnte das Geeignetsteerscheinen das zwischen zwei Fronten gebrachte Bisthum Sitten völlig ab-zuschneiden und wehrlos zu machen 128 *.
Trotzdem scheint der Erfolg kein grosser gewesen zu sein; wie Justingerversichert, that Bertold den Wallisern grossen Schaden, hatte aber selberVerluste. — Im nächsten Jahre 1191 hatte er in der That von Neuem denAufruhr niederzuschlagen, dessen Hauptschauplatz diesmal das bernisch-üchtländische Oberland war; durch seine Heerfahrt nach Grindelwald amCharfreitag brachte er ihn zu Ende.
Ganz anders, reich an Einzelheiten, wissen die Geschichtsschreiberjüngerer Zeit den Krieg zu erzählen. Und es ist allerdings fraglich, ob siedarin ihrer blossen Phantasie folgen. Eine so bedeutende Fehde muss,
1888 Chron. Chart. Laus. 46 und Chart. Laus. 424f. Das Datum giebt (bei Berück-sichtigung des Annunciationsstiles) die Luna I und bestätigt der Vermerk S. 425: in octavaepiphanie feria "P/". Vgl. über die Umstände weiter unten (zu 1211).
,a8S St. 4644. Eine solche Zustimmung hatte ja auch der noch lange Zeit grollendeund feindselige Bertold IV 1162 in der Genfer Sache abgegeben. Oben S. 379.
1884 Zumal nur bei solchem Marsch die thal- und pässebeherrschende Gestelenburg(Chätillon) im oberen "Wallis, der Sitz der Sittener bischöflichen Vögte (darüber GalliaChrist. XU Instr. 492f., Urk. v. 1177) eingenommen oder eingeschlossen werden konnte.