Das Mainzer Fest. 413
Schwester dementia, danach bei dem Grafen Balduin V von Hennegau, demSohne der jüngeren, Alice. Bertold's Mutter war zwar schon früher durchzwei Burgen aus dem Allod abgefunden worden, aber doch wohl nicht invöllig klarer Weise oder wie an sich wahrscheinlich ist, nicht so, dass sie auchbei dem Erlöschen des Mannesstammes allen Anspruch verlor, denn ihr SohnBertold hatte sich schon i. J. 1171, wie wir wissen, auf Erbansprüche ein-gerichtet, die der Kaiser damals anerkannt hatte und die höchst wahrscheinlichauch bei der Verlobung seines Sohnes mit der Erbin von Boulogne nichtausserhalb seines Planes gewesen waren. Auch Balduin hatte dies ErbrechtBertold's insofern anerkannt, als er ihm angeboten hatte des Herzogs Ver-zicht mit 1600 Mark reinen Silbers in Cölner Gewicht zu erkaufen, die erinnerhalb 8 Monaten zahlen wollte.
Zu Mainz war nun Balduin mit viel Gold und Silber erschienen undhatte sogleich Eindruck auf den Kaiser gemacht, der den bisher am Hofenicht gesehenen Mann, der nicht fürstlichen Standes geachtet wurde mo , beidem feierlichen Zuge am ersten Pfingstfeiertage das kaiserliche Schwert tragenliess und ihn eng an sich heranzog. Und als Friedrich das Anerbieten erfuhr,das Graf Balduin seinem herzoglichen Vetter gemacht hatte, rieth er ihmunverzüglich ab, mit dem Hinzufügen, der leibesschwach gewordene Herzogwerde ja wahrscheinlich noch eher sterben, als der Graf von Namur selber.Auf diesen Rath hin liess Balduin die Verhandlungen fallen. Die Hälfte desGeldes, das er somit an Bertold gespart hatte, wanderte dafür in die Kammerdes Kaisers, der am 22. Mai mit Balduin einen geheimen Vertrag abschloss,wonach das namur-lützelburgische Hausgut bei Heinrich's Tode dem Namennach an den Kaiser fallen und dann mit den heimfallenden Reichslehen zu-sammen als untheilbares Reichsfürstenthum an Balduin vergeben werden sollte.In der That starb Bertold vor seinem Oheim Heinrich und der MainzerVertrag gelangte für Balduin zur Ausführung.
Ein Tausch, den Bertold auf dem Mainzer Tage zu dessen Beginn mitdem Grafen Boppo von Laufen vornahrn, ist noch überliefert 1251 . Der Grafhatte von Herzog Bertold den Berg Rothenberg bei Gleismuthshausen zuLehen, den er jetzt mit anderen Schenkungen, die seine Familie machte,an das Kloster Schönau im Odenwald übergeben wollte. Das Gut, das erdem Herzog als Tauschgegenstand bot, wurde angenommen, worauf Bertoldden Berg zu freiem Eigen an Boppo, den von dem Wormser Bischof be-auftragten Ocger von Wiesloch und Hugo von Bruch als Bevollmächtigten des
i26o y gl _ F ickerj Reichsfürstenstand S. 108ff. (§ 72).
1261 Gruden, Sylloge I variorum diplomatariorum, Frankf. 1728, S. 33ff. Urkundedes Pfalzgrafen bei Rheine. Bertholdo de Zaringen. Glismutehusen, nach Förstemann, altd.Namenbuch, Ortsnamen. II 585 G-leismuthshausen im Grabfeldgau bei Sessbach sw. vonKoburg. Vgl. den Anhang über die zähr. Besitzungen.