Hochverrathsgedanken. 375
werdet, ganz ergeben und gerne bereit sein werden. Bei dieser günstigenGelegenheit empfehlen wir euch unseren geliebtesten Bruder Radulf, dernicht etwa bloss durch irgendwas, sondern durch die canonische Wahl, wieeuch wohl nicht verborgen sein wird, in dem Brzbisthume Mainz erhobenworden, aber vom Kaiser, der aus Hass gegen unser Geschlecht einen Anderenaufgedrängt hat, sehr beleidigt worden ist: ihn senden wir und empfehlenwir eurer Gnade ihn zu stützen, eindringlich bittend, dass ihr ihm in seinerganzen Angelegenheit, auch bei dem Herrn Papst Alexander und sonst be-hilflich sein wollet, damit, sobald er durch eure und die apostolische Autoritätwieder eingesetzt und befestigt ist, wir und er selber mit allen unseren Ver-wandten und Freunden euch auf so viel Freundlichkeit würdige Gegen-leistung thun können und zwar um so viel ergebener, je gütiger ihr euch ihmin Hilfe erzeigen werdet. Was im Uebrigen unser Bruder euch über uns inmündlichem Gespräch erzählen wird, das wollet mit uns ohne jede Zweideu-tigkeit als gutgeheissen und sicher aufnehmen."
Der schlimme Brief ist in recht gutem und fliessendem Latein geschrieben;ich möchte seinen Verfasser daher im geistlichen Gewände und in der mög-lichsten Nähe desjenigen suchen, für den er in erster Linie geschrieben undder auch der Ueberbringer war, Rudolfs. Auf die Mainzer Kathedra istRudolf dann auch durch Ludwig und Alexander nicht gelangt. In bemerkens-werther Weise lässt der Brief erkennen, dass Bertold und Rudolf das Vor-gehen des Kaisers nicht als eine einzelne ungünstige Massregel empfanden,sondern auf einen tieferen staufischen Gegensatz gegen das zähringische Hauszurückführten, wie er aus dem Verhalten des Otto von Freising und überhauptaus dem gesammten geschichtlichen Nebeneinander dieser beiden grossenschwäbischen Familien auch von uns abzuleiten war. —
Herzog Bertold hat sich einen Theil dieser Jahre in seinen alamanni-schenLanden aufgehalten, wovon eine einzelne Spur erhalten geblieben ist. Ausdem burgundischen Cistercienserkloster Frienisberg kamen i. J. 1161, offenbarvon dem Herzog veranlasst oder doch berathen, der Abt Hesso und zwölfMönche in den Breisgau und schlössen unter Vermittlung Bertold's einenVertrag 1140 , wonach ihnen der Edelfreie Kuno von Horben gegen 30 MarkSilbers und ein Maulthier den Thenenbach genannten Ort in einem Seiten-thälchen des Brettenthals nebst den anhegenden Gütern Labern, Brettenhartund Mutterstegen und die beiden Lehen Mussbach mit allem Zubehör unddem unbeschränkten Holzungsrechte in dem zu Mussbach gehörigen Walde
1140 Schöpflin V 108f. Vgl. die Berichtigung zu dem Siegelvermerk bei Dümge 50.— Labirn ist als Laberhof erhalten, Brettenhart nicht "Waldung, Hart, geblieben, sondernlängst Brettenthai geworden, Mutirstegin noch 1798 als Lehenhof Thenenbachs vorhandengewesen, aber vor 1808 verschwunden. — Nachtr. Vorzuziehen ist ein anderer, vonH. Maurer gegebener Abdruck der Urk. in der Oberrh. Zs. NF. IV 494.