Druckschrift 
Geschichte der Herzöge von Zähringen
Entstehung
Seite
374
Einzelbild herunterladen
 

374 Hei-

Strafe. Der erwählte Gegenerzbischof Christian wurde zwar von Friedrich,der abermals nichtzugezogen gewesen war, ebenfalls nichtbestätigt, aber danachwurde in des Kaisers Gegenwart von einem Theil des Capitels der Witteis-bacher Konrad erwählt und sogleich investirt, womit diese grosse, jedochso schlecht eingeleitete HoffhungRudolf's von Zähringen so gut wie an'sEndegelangt war. Statt ihrer aber war eine starke Verstimmung Herzog Bertold'sgegen den Kaiser übrig gebheben. Manches hatte der Herzog bis dahin geduldighingenommen; nun hatte er einmal auf eine entschädigende Gunst für sein Hausum so sicherer gehofft, als sie den Staufer nichts kostete, und auch hier saher sich völlig enttäuscht und abgewiesen. Er wollte sich nicht zu dem Trösteverstehen, dass der Kaiser gerade diesmal nicht anders handeln konnte.

Bertold war nicht unter den zahlreichen Fürsten, die in der erstenHälfte des Jahres 1161 nach dem strengen Gebot des Kaisers ihre Schaarengegen Mailand heranführten. Und bald wandte er sich an König Ludwig vonFrankreich, der seit der Synode von Toulouse (1160) als der Schützer Alexan-ders HI der Mittelpunct aUes europäischen Widerstandes gegen den Kaiserund die deutsche Krone war. Er schrieb ihm 1139 :

„Dem ruhmvollsten und siegreichsten König der Franken von GottesGnaden Ludwig entbietet Bertold Herzog Burgunds mit eifrigergebenstemDienst treueste Hinneigung. Eurer erprobten und unermüdlichen Fürsorgeund Güte, die ihr Allen, nicht minder Fremden wie Verwandten in königlicherFreigebigkeit zu spenden gewohnt seid, hegen auch wir das Vertrauen nichtuntheilhaftig zu sein, deswegen weil wir, mit eurem Verlaub, von demselbenBlute stammen. Auch sind wir in Allem, wie es euer Wille uns auferlege,euch zu dienen und zu gehorsamen ohne jede Ausnahme bereit. Was nundas anlangt, dass unser Kaiser, ein eifriger Zerstörer der Kirchen und derGesetze, euch und eurem Reiche in der Ueberhebung seiner Gedanken sodrohenden Schrecken einzuflössen sucht, so soll eure Majestät, für den Fall,dass er je, was ferne sei, seine Drohungen zur Wirklichkeit zu machen sichanschickt, erkennen und auf das Sicherste wissen, dass wir mit allen unserenFreunden und Getreuen und mit einigen gerade von den grösseren FürstenDeutschlands, von denen wir einzelne um unserer Liebe willen oder aus Pflichtder Verwandtschaft, andere aus gleichem Hasse gegen den Kaiser zu Ver-bündeten haben, eurer Sache mit Rath und Hilfe, wie ihr es anordnen

1189 Bouquet, Rec. des List, des Gaules et de la France, Paris, Bd. XVI 1813. S. 34f.Da Rudolf's Sache zu der Zeit, da der Brief geschrieben wurde, ersichtlich noch nicht ver-altet war, darf man das Schreiben nicht mit Giesebrecht V 345 erst nach dem Sept. 1162setzen, sondern hat es möglichst hinaufzurücken. „B. dux Burgundiae. u Dass Bertold indiesem Augenblicke von dem immerhin einen Verzicht bedeutenden Titel des „Herzogs(von Zähringen) und Rectors von Burgund" zu Gunsten desjenigen, der ihn ausserhalbdes engeren, deutschen Reiches zu stellen schien, absah, ist begreiflich.