Vertrag mit dem Genfer Grafen. 371
wenigstens für diesen Fall mit in Betracht kam, ist anzunehmen, denn nurso konnte der Vertrag mit dem Grafen Zweck und Inhalt haben.
Graf Amedeus aber wollte nun auf jene Uebertragung hin sich alsbaldeine weitgehende Nutzung verschaffen. Er legte die Hand auf die Regaliendes Bisthums und eignete sich zugleich wieder andere von dessen Gütern an.Das alles muss sehr bald nach Bertold's Rückkehr von der Paveser Synodegeschehen sein, denn schon am 1. April ging Victor IV auf die Klage desBischofs mit Mahnung und Drohung gegen Amedeus vor l131 . Herzog Bertoldist Amedeus' Thun offenbar fern geblieben und hat sich auch sonst zunächstim Hintergrunde gehalten, so dass er zu dieser Zeit in der ganzen Angelegen-heit noch nicht erwähnt wird. Im weiteren Verlaufe aber mag sich Amedeusauf ihn bezogen haben und so die Sache auch auf den weltlichen Rechtsweggebracht worden sein, denn damit könnte es möglicherweise in Verbindungstehen, dass im Sommer 1160 Bertold, was aus anderen Quellen bekanntwird, im kaiserlichen Lager in der Lombardei erschien, nicht als Führer vonHilfsvölkern, sondern von nur wenigen Rittern begleitet „irgend einer An-gelegenheit wegen" lls2 .— .
Ehe diese Genfer Angelegenheit weiter verfolgt wird, ist ein kurzerBlick auf Lausanne zu werfen. Hier war der Bischof Amedeus am27. Sept. 1159 1183 gestorben und in der .Neuwahl, die nach dem Abkommengänzlich frei von dem Einflüsse des reichsvertretenden Herzogs sein sollte,Landerich von Durnach, bisher. Decan zu Besancon, erhoben worden, dessenPolitik zu allen Zeiten dahin ging, mit dem Rector in gutem Einvernehmenzu stehen und seine im Namen des Reiches geübte Obervogtei anzuerkennen 1184 ,so dass während seiner Amtsführung Bertold's Stellung in Lausanne nicht an-gefochten worden ist. Um so mehr ist anzunehmen, dass der Herzog, als erim Frühling 1160 aus Italien zurückkehrte — zu jener Zeit, da er mit demGenfer Grafen abschloss und für Hautcret urkundete — die Stadt Lausannebesucht hat. So hätte denn damals für die Bewohner die Frage des Empfangsdes Herzogs in ihren Mauern zur Regelung gestanden Werden wir für dieDaten auf Schlüsse und Vermuthungen angewiesen, so sind desto sichererdas Ceremoniell und die Leistungen bei dem Empfange Bertold's IV in Lau-sanne durch eine Aufzeichnung bekannt: die ganze Geistlichkeit, also die der
imi ygi_ (jj e Benachrichtigung Victor's an den Bischof und seine Geistlichkeit beiSpon 1. c. Nr. 6 (bei J.-L. 14478 zu „1160—1163").
1182 Otto Morena 626 (dux Bertoldus de Zaringo). Die andere Erklärung des cuius-dam negotii siehe unten S. 372 f.
1183 So nach dem Chron. Chart. Laus., über abweichende Daten Reese S. 24, Amn. 3.1158 behauptet das Sommaire chronologique MDSR. VI.
1184 1165 datirt Landerich: factum est regnante Friderico imperatore, Bertulfo rec-tore Burgundie (MDSR. XH. Cartul. de Hautcret S. 24f.).
24*