In der Berner Klause. 353
Feinde dahin. Es war ein verzweifelter, aber der einzige Ausweg und soübernahm denn Otto von Witteisbach, des Kaisers Bannerträger, mit 200 aus-gesuchten jungen Leuten das Wagniss. Abhänge empor, durch Gestrüpp,über Blöcke und Risse hinweg ging's, bis sie sich zu dem Felsen selbst durch-arbeiteten, der sich dann zwar in Wirklichkeit so glatt, wie mit dem Eisenabgeschnitten darstellte. Schliesslich aber gelangten sie auch da hinauf. Einerauf des Anderen Schulter, die Lanzen zur Hilfe, auf lebendiger Leiter; plötzlichstand Otto droben und Hess des Kaisers Banner flattern, das er, ohne dassman es wusste, versteckt mit sich genommen hatte. Das machte unermesslichenJubel und Siegessang droben und unten am Flusse erschallen; hier stürmtendie Ritter vor, während Otto und die Seinen nun an der einzigen ungedecktenSeite gegen die Burg vordrangen. In völligem Siege; die Insassen kamenbis auf zwei alle um, durch das Schwert, durch den Sprung herab an dererbarmungslosen Felswaud, zwölf Gefangene — gerade dies fast alles Leuteritterlichen Standes — nebst Alberich selber, dem Führer, am Galgen. Sowar der Weg der Deutschen frei geworden I078 .
Noch am Abend des Tages erreichte das Heer Tridentiner Gebiet.In der Bischofsstadt stellte Friedrich am 7. Sept. eine Urkunde 1070 fürdas Stift Lüttich aus, in der auch der Herzog von Zähringen als Zeugegenannt wird. Von Bozen aus eilten die Uebrigen auf schnelleren Wegen inihre Heimath 1077 und Herzog Bertold blieb allein von den Fürsten, die mitin Italien gewesen waren, bei dem Kaiser zurück, der über Brixen und denBrenner die bairische Hochebene erreichte; in einer Urkunde, die Friedrich
1076 Otto Fris. g. Fr. 117 ff. (Otto Sanbl. 306); Helmold SA. 159; Ann. Palid.MGSS. XVI 89; Ann. Isingrim. mai. MGSS.XVJI 314; Ann. Herbipol. MGSS. XVI 8f.;Gotifr. Viterb. SA. 9 f. (v. 235 ff.) (Vincent. Prag. MGSS. XVII 665. Vgl. ib. Anm. 46.)Ich bin, wenn auch nicht ganz so ausführlich wie Otto von Freising, auf das Abenteuernäher eingegangen, weil in den Ann. Herbipol. 1. c. der Held desselben nicht Otto von"Witteisbach, sondern Bertold von Zähringen ist. Auch Heinrich der Löwe wird genannt,bezeichnender "Weise nicht von Helmold, sondern nur den Ann. Isingrim. — Ich möchtedurchaus mit dem in allen Einzelheiten unterrichteten Otto von Freising, dem böswilligeLüge nicht zuzutrauen ist, an dem "Witteisbacher als dem Veranstalter festhalten und alsausgeschlossen betrachten, dass Bertold in seiner höheren Stellung das Wagniss der iuvenesmitmachte. So viel zeigt die Abweichung der Quellen, dass man sich, wohl weniger nachder Stammeszugehörigkeit der ersten Ueberbringer als in Folge mündlicher "Wandlungen,das Ereigniss im Reiche verschieden erzählte. — Vgl. noch Ficker, Rainald von Dassel,Cöln 1850, S.22; Heigel u. Riezler, d. Herzogthum Bayern zur Zeit Heinrich'sd. Löwenu. 0. v. "Wittelsb., Münch. 1867, S. 81 ff.
1078 St. 3725. Bertoldus dux de Cerinke.
1077 Otto Fris. g. Fr. 120. multis se ad proprio, dispergentibus domicüia. Eine Ver-gleichung von St. 3725 mit 3727 ergiebt, dass es die geistlichen Herren von Oonstanz,Basel, "Worms und Fulda, Heinrich der Löwe, Hermann von Baden und der LenzburgerUlrich, also alle Vornehmeren ausser Bertold waren.
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