Verhältnisse in Burgund. 335
¥o war ein Reich wie dieses, so reich und blühend in Land und in Städten,wo eines von so wunderbarer und von so mannigfacher Schönheit ? Freilichnoch war er nicht der anerkannte Herr. Aber des hochgemuthen Friedrich'sjunge Königsmacht und er selber wollten es gemeinsam erkämpfen. Werwaren die, die wagen sollten, ihnen zu widerstehen ?
Graf Wilhelm von Macon zunächst, der die Hinterlassenschaft Rainald'sin Händen hielt, stand ohnehin bei dem Reiche noch in Klage. Das hoch-burgundische Haus hatte seit Alters in der Stadt Vienne Besitzungen 1007 ,die mit an die Linie Stephan's übergegangen waren, der eigentliche Stadtherraber war der Brzbischof, der sich in spärlichen Beziehungen zu der Kronehielt. Da überfiel, wohl im Jahre 1145, der Graf Wilhelm noch bei Leb-zeiten seines Bruders Rainald die Stadt Vienne und nahm sie und ebensoihre Burg Pivet in völligen Besitz. Brzbischof Humbert wandte sich anKönig Konrad HI, der sich aber bescheiden musste durch ein am 6. Jan.1146 aus Aachen an den Erzbischof nebst seinen Suffraganen und an dieFürsten Burgunds und der Provence erlassenes Schreiben 1008 zu betonen,dass Stadt und Burg Vienne Eigenthum des Reiches seien und nur der Erz-bischof zu dessen Vertretung befugt sein könne; dieser solle mit Ausschlussjeder weltlichen Gewalt die Stadt nebst der Burg und der königlichen Pfalzverwalten und zur Erlangung dessen hätten ihm die Fürsten ihren Beistandzu leihen. Hiermit hatte diese Sache bisher anscheinend ihr Bewenden.
Die Grafen von Mömpelgard sind wohl überhaupt nicht zu den bur-gundischen Grafen mehr zu zählen 1009 . Sie hatten mit diesen keine Gemein-samkeit und waren ihrer lothringischen Hauptbesitzungen wegen Lehnsträgerder deutschen Krone auch ohne Beziehung auf Burgund. Mit den Zähringernwaren sie zwiefach verwandt: durch Bertold's I zweite Gemahlin und durchPetrissa's Vermählung mit einem Grafen von Pfirt.
Die Bisthümer Genf, Lausanne und Sitten werden später gesondert zubesprechen sein.
Das Gebiet der Grafen von Savoyen erstreckte sich auch über dieGrafschaften Belley, Maurienne (und Aosta). Graf Amedeus hatte mitHeinrich V in guten Beziehungen gestanden, so war es denn vielleicht nichteinmal eine Aenderung seines Verhaltens, wenn er zu Lothar kein Verhältnisshatte und sogar einen Feldzug dieses Kaisers gegen sich (von Italien aus1136) hervorrief 1010 . Bei dem zweiten Kreuzzuge hielt sich der Graf zu dem
i»" Hüffer S. 34 f.
1008 St. 3511.
1009 ygL Kallmatm 1. c. 98. Otto von Freising braucht darum doch nicht Unrecht zuhaben, wenn er Burgund sich geographisch bis zum Mons Biliardi erstrecken lässt(SA. 115).
ioio y gl< Bernhardi, Lothar S. 664.