„Achitophel". 319
Dem entgegen erhob sich freilich mancherlei Widerspruch, wie mandenn überhaupt ohne den Sieg bei Flochberg doch noch ernstere Unruhenim Reiche, den Erfolg der sicilianischen Ränke zu erwarten gehabt hätte 967 .Gegen des Königs Ansage erhob sich „jener ergraute Achitofel" , wie einBrief Wibald's von Stablö bezeichnet 968 ; dieser Redner konnte seinen grossenKummer über Weif's Niederlage kaum verbergen und betonte nun die Be-denken, die die kommende Fastenzeit dem Feldzuge in den Weg lege; über-haupt sei Weif, den Gott selber schon gerichtet habe, lediglich mit process-bräuchlichen Fristen und Vorforderungen zum Rechten zu bringen; er heischteauch besondere Milde für die Gefangenen. Die Rede des alten Mannes(senis) machte viel Eindruck und war zudem der menschlichen Trägheit undLässigkeit derjenigen Anwesenden, die ohne Hintergedanken waren, genehm.Der Abt Wibald nebst des Königs Freunden widersprach, aber jene Rededes Laien (armali) trug den Sieg über die des Geistlichen (inermis) davon;die Heerfahrt wurde aufgegeben.
Nun wird jener alte Laie, dem Wibald und der Constanzer Bischofunter sich den Namen von Absalom's Helfer zum Aufruhr verliehen hatten,seit lange für Herzog Konrad von Zähringen erklärt 969 . Wir müssen jedochdarauf verzichten, Konrad auf dem Speyerer Tage eine so ausschlaggebendeStellung einnehmen zu lassen: er war, wie gesagt, dort nicht anwesend, wasman bei jener Deutung stets übersehen hat. Wer aber jener Redner gewesensei, bleibt dahingestellt; vielleichtist er gar nicht unter den Fürsten zu suchen,denn von seinem Range sagt Wibald nichts, und Ahitophel gehörte, was beijener Erklärung anscheinend auch nicht beachtet wurde, zu den Räthen amHofe des biblischen Königs.
Mit dieser Ablehnung sei aber über eine etwa freundlichere damahgeHaltung Herzog Konrad's gegenüber dem König noch nichts ausgesprochen.Wir wissen, dass er dessen Hoftage zu dieser Zeit nicht besuchte, und ausdem fernen Sachsen, welches ihn seit 1147 und durch seine Verwandtschaftmit Heinrich dem Löwen kannte, meldet mit Bestimmtheit eine annalistischeBemerkung, dass der Zähringer sich geraume Zeit in Widerspruch gegenKonrad III befunden habe 97 °.
Gegen Weif wurde danach nicht einmal ein Rechtsverfahren eröffnet.Herzog Friedrich übernahm die Vermittlung und brachte ihm völlige Ver-
907 Brief Wibald's Jaffe I 345.
968 ibid. 353 f. an Hermann von Constanz.
909 So Orig. Guelf. II 366; F. W. Behrends, Herzog Weif VI, Braunsehweig 1829;Giesebrecht IV * 489; Sab Adler, Herzog Weif VI, Theil I, Gott. Diss. 1881 S. 29; Bern-hardi 799 („vermuthlich").
970 Ann. Palid. MGSS. XVI 86: post diuturnam, quam adversus regem habueratcontradictionem, cum ipso federatus, post paululum rebus humanis execratus est.