Druckschrift 
Geschichte der Herzöge von Zähringen
Entstehung
Seite
263
Einzelbild herunterladen
 

Feier des hl. Konrad. 263

wurde, so dass den Grafen nur Töchter beerbten, wurde die Vogtei einemPfullendorfer Grafen gegen Zahlung von 300 Mark Silbers durch die sonstunbeeinflusste Entscheidung des Abtes übertragen.

Mitten in jenen Abteistreit zeitlich hinein fällt eine grosse Festfeier, dieman zu Constanz beging und an der auch Konrad persönlich theilnahm: dieErhebung der Gebeine des hl. Konrad 781 , welche Gebhardlll mit Zurathenseines Vitzthums Heinrich in den bischöflichen St. Mariendom übertragen unddort, eingehüllt in seidenes Gewand, hinter dem hl. Kreuzes-Altar beigesetzthatte. Am 18. März 1123 war in Erfüllung der frommen Bitte der Constanzerdie Kanonisation des so hoch verehrten Bischofs auf dem grossen römischenConcil Calixt's II geschehen und dann für die Constanzer Feier selbst derwiederkehrende Todestag des Heiligen ausgewählt worden. Nachdem BischofUlrich vor einer ungeheueren Menschenmenge unter Ertheilung eines all-gemeinen Ablasses die Aufnahme Konrad's in die Zahl der Heiligen und den26. November als jährlich wiederkehrenden Festtag für die ganze Diöcese ver-kündet hatte, ward der Leib des Heiligen im Umzug durch die Stadt getragenund schliesslich wieder an dem von Gebhard ausgewählten Ruheorte be-stattet; nur den rechten Arm behielt man für die Verehrung zurück undstellte die Reliquie im Gotteshause auf. Von den der Feier Beiwohnendensind besonders die Vorsteher von vierundzwanzig Klöstern zu nennen, nebendenen eine gewaltige Menge von Priestern, Diakonen und anderen Klerikernerschienen war; unter den weltlichen Theilnehmern ragten drei Herzöge her-vor, nämlich ausser Konrad von Zähringen Friedrich von Schwaben undHeinrich der Schwarze. Natürlich ward die Zusammenkunft auch zum rechts-kräftigen Abschluss von privaten Abmachungen benutzt; daher datirt vondem nämlichen 26. November die Urkunde eines Tausches zwischen Reichenauund St. Georgen 782 : Abt Werner von St. Georgen gab durch sie mit derHand des Vogtes seines Klosters, Konrad's von Zähringen, das Gut St. Geor-gens im Gau Albenesbaar in der Grafschaft Konrad's [von Zählingen], näm-lich zu Deggingen (BA. Donaueschingen) und zu Hausen (vor "Wald, in dem-selben BA.) und empfing dafür von dem Reichenauer Abt Ulrich und durchdessen Vogt Herzog Heinrich den Schwarzen von Baiern das ReichenauerGut in demselben Gau und Comitat zu Friedenweiler und Löffingen (beideBA. Neustadt). Diesem Rechtsgeschäfte wohnten von den Theilnehmern der

781 Transl. S. Counradi MGSS. IV 444ff. Const. Reg. 720723, auch 656.

788 PUB. V 61. Bemerkenswert]! ist, dass Konrad als Vogt nicht mit weiterem Titeldux, sondern einfach advocatus Cuonradus de Zaringen genannt wird. Eben so wenigheisst es bei der Erwähnung der zähringischen Baargrafschaft ducis, sondern nur in eomi-tatu Cunradi. Zu diesen beiden gesellen sich viele andere Fälle, die die Beobachtunghervorbringen: dass man zu dieser Zeit, in der das Hinzusetzen der Titel (abgesehen vonden allerhöchsten) überhaupt noch ziemlich jung war, eine Häufung der Amtstitel durchausvermied.