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Geschichte der Herzöge von Zähringen
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261
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Konrad setzt einen Abt in St. Gallen. 261

beherrschte, zeigt sich darin, dass die Gruppe der Mönche, die sich mit ihmverständigte, sogar die Person des neu zu wählenden Abtes ganz und gar vonseiner Bestimmung abhängig machte. An dem festgesetzten Tage nahtenun Konrad mit dem sehr stattlichen Heergefolge von 600 Reisigen denMauern von St. Gallen, den Abt, den er erheben wollte, einen jungen St. GallerMönch Manegold aus dem Edelgeschlecht von Mammern 776 dabei mit sichführend. Vor dem Kloster machte er Halt und sandte einen Boten hinein,durch den die Gesammtheit der Brüder erfuhr, sie hätten den angekommenenElectus mit schuldiger Ehrerbietung aufzunehmen und ihm mit schleunigsterEile entgegenzuziehen. Da die Mönche von Konrad's Parthei im Kloster einvortreffliches Schweigen bewahrt hatten, wurden die Gegner durch des HerzogsBotschaft völlig überrascht und wussten keinen Ausweg, als mit ihrem Abte,dem Twieler, über den See zu fliehen, um sich dann im Schlosse Zeil, das aufeinem steilen, weitschauenden Bergvorsprung aus der Leutkircher Ebene auf-ragt, festzusetzen. Also der Abt Heinrich zog doch vor, mit den Seinen nichtauf den Twiel zu flüchten, was vielleicht von ihm eine kluge Bücksicht aufseine Familie war. Nachdem der Herzog somit ungehindert in St. Galleneingezogen war, ward der von den zurückgebliebenen Mönchen mit Ehren-bezeugungen aufgenommene Manegold von Mammern alsbald zum Abte er-hoben und da er nicht allein durch Konrad, sondern auch durch tüchtigeeigene Macht seines Hauses 777 unterstützt war, so unterwarf er sich mühelosvom Kloster aus zunächst die Stadt St. Gallen und die Umgebung, setztedann über den See und nahm auch dort die Klosterbesitzungen ein, zu derenBehauptung und Schutz gegen Heinrich von Twiel und seine Freunde er dieBurg Prassberg erbaute.

Indessen ward es Zeit, dass diese Geschehnisse vor den Kaiser kamen.Manegold selber ging, als er seine Stellung genug gesichert sah, an Heinrich'sHofiager und führte dort seine nachträglichen "Wähler als Zeugen einer kano-nischen Wahl vor, der andere Abt, so legte man dem Kaiser dar, ohne dassdas heute noch geprüft oder mit Bestimmtheit aufgehellt werden könnte, seinoch bei Lebzeiten des Patriarchen Ulrich auf ein gefälschtes Abdankungs-schreiben desselben hin erhoben worden, dagegen Manegold selber in kano-nischer Weise nach Ulrich's Ableben 778 . Höchst eigenthümlich ist nun dasVerhalten Kaiser Heinrich's: er war ja bereits entschlossen, über die Rechte

7,6 Dasselbe sass in der Gegend von Stein a. Rh., dessen Vogt Konrad war. DasVerhältniss der Familien von Mammern und von Böttstein zu einander bleibt für die darannäher betheiligte Forschung noch festzustellen.

777 Cont. eas. 100; dann wieder nach S. 96 ff.

778 Es scheint, als sei diese Darlegung nachträglich für das Ohr des Kaisers zurecht-gemacht worden, nachdem sich ein vorgekommener Irrthum über Ulrich's Tod aufgeklärthatte. Für einen solchen könnte auch der doppelt überlieferte Kalendertag seines Todessprechen, vgl. Meyer von Knonau Anm. 237.