Concordat von "Worms. 243
den kirchlichen Corporationen und den geistlichen wie auch weltlichen Fürstenentzogenen Besitzungen , und nicht nur, soweit er diese selbst in der Handhatte, er verpflichtete sich auch, im anderen Falle für deren Rückerstattung ge-treulich zu sorgen. Das letzte war eine Bestimmung dieses allgemeinenFriedensvertrages nach langem und wirren Streit, auf die unter Umständenauch die Nachkommen Herzog Bertold's I noch eine immerhin sehr unsichereund erschwerte Hoffnung setzen mochten.
Inmitten der Fürsten, mit deren „Zustimmung und Rath" Kaiser Hein-rich seine Zusicherungen gab, ist in der kaiserlichen Urkunde als letzter dervier Herzöge Pertolfus dux unterschrieben. Sein Bruder Konrad war be-greiflicher Weise nicht zugezogen worden; dagegen steht er als Zeuge undzwar neben seinem herzoglichen Bruder in einer anderen Verbriefung, dieeben kein Staatsvortrag von weltgeschichtlicher Bedeutung war, in dem da-mals im Lager auf den Lobwiesen bei Worms ausgestellten Privileg Hein-rich's V für das westfälische Kloster Kappenberg.
Falls Bertoldlll sich wirklich Hoffnung machen konnte, auf Grund desPunctes im Wormser Vertrage, der die Wiederherstellung des Besitzstandesvor dem grossen Kampfe festsetzte, mit einigem Erfolg Ansprüche auf dasHerzogthum Kärnthen oder auf irgend welche Entschädigung zu erheben,so sollte er doch nicht mehr zur Verfolgung dieser Angelegenheit gelangen. ImWinter 1022 auf 1023 zog er dem Grafen Hugo von Dagsburg im unterenElsass zu, um ihm Hilfe gegen Aufrührer zu bringen und fand in dieserFehde seinen Tod. Die Cölner Chronik sagt, er fiel durch unvorsichtigenVersuch, die Stadt Molsheim einzunehmen, was mit der Nachricht der zäh-ringischen Genealogie aus St. Peter zur Noth zu vereinigen ist: „er zog mitGraf Hugo von Dagsburg vor den elsässischen Ort Molsheim hinab undnahm dort gewaltsames Einlager. Die Bürger aber drangen vor, zerstreutenseine Genossen und Bertold kam in unwürdigem Tode um." Die FreiburgerChronik des lfi. Jahrhunderts erzählt ähnlich: er ward von den Molsheimern„freventlich in Kriegsleuffen überfallen unnd mit graff Hugo von Dagspurggefangen und unwirdigen todts jemerlich verderbt" 740 . Aber der Herzog istnicht etwa in diesem Volksauflauf selbst zufällig erschlagen worden; lässt
740 Chron. reg. Colon. Reo. I SA. 61. Catal. S. Petri Freib. Diöc.-Archiv XIV84f. = Geneal. Zaring. MGSS. XIII 736. Sie hat nicht etwa aus den älteren uns auchvorliegenden Nachrichten nur oombinirt, denn dann miisste sie sich auch mit dem Strass-burger Bischof beschäftigen, jondern hat selbständige Quollen gehallt. Freiburger Chronikim Anhang zu Schilters Ausgabe des Königshofen, Strassb. 1698, S. 16 f. — Bertold's Todauch Ann. Argent. MGSS. XVII 88, Ann. Marbac. ib. 158, Ann. Maurimonast. ib. 181;Ann. S. Blasii ib. 278; Not. fund. S. Georgii Zs. IX 208; Ann. Saxo MGSS. VI 744. (ImJahr 1659 verzeichnete man zu St. Peter: occisus Molshemii in Alsatia a civibus. Kolb,hist.-stat.-topogr. Ijexicon des Grossh. Baden III. S. 150. Doch das ist wohl dort nur er-klärend vermuthet worden.)
16*