Bertold Gefangener Cölns. 239
Er hat aber wohl bis an die letzte Entscheidung mitkämpfen können, denngerade Dietrich von Ahr war es, der den vornehmen Gefangenen beanspruchteund ihn in der That in seinen Gewahrsam bekam. Wie es aber doch scheint,hielt Graf Dietrich ihn nicht auf einer Burg in Haft, sondern Bertold lebte,wenn auch als Dietrich's Gefangener, in Cöln und in Verkehr mit den Cölnern;denn in der Stadt hat man auch fernerhin an seinem Geschick Antheil ge-nommen , ihn als einen vortrefflichen jungen Fürsten geschätzt und ins-besondere das Andenken seiner eifrigen Treue gegen den Kaiser bewahrt 732 .
Heinrich V vermochte den Kampf gegen Cöln nicht fortzusetzen. Wiesich im Bunde mit der Stadt der lothringische Adel schon erhoben hatte,stand während des Winters das ganze Sachsenland auf, am 11. Februar 1115erlagen auch hier, am Welfesholze unter dem Südostabhange des Harz, dieKaiserlichen den Schwertern der Rebellen, und was mehr war: jetzt hatteauch die Kirche den Zeitpunct zur Erhebung wider den Kaiser gefunden:am 28. März 1115 zu Reims und am Ostermontag abermals, in der Stadt Cölnin St. Gereons Kirche, bald darauf auch inmitten der Sachsen sprach derCardinallegat Kuno, allerdings noch, um die günstigste Frist zu nützen, ohneschon eingeholte Zustimmung des Papstes die Excommunication über Hein-rich V aus. Der Aufstand hatte Einheit, Führung und rechtliche Deckungbekommen.
Wann die Städter oder vielmehr Dietrich von Ahr den Herzog Bertoldaus der Haft entlassen haben, ist nicht bekannt. Aber als Heinrich, ohneetwas gegen den Aufstand erreicht zu haben und doch durch den Tod derGräfin Mathilde veranlasst nach Italien zu gehen, auf den 1. November 1115zur Ordnung der Reichsangelegenheiten einen Fürstentag nach Mainz be-schied, da war es Graf Dietrich von Ahr, der von dem Regensburger Bischofbegleitet in des Kaisers Namen zu den Sachsen ging und bei ihnen für dievon Heinrich gewünschte Zusammenkunft Stimmung zu machen unternahm 73S .Der sächsische Annalist, der das aufbewahrt oder vielmehr übernommen hat,nennt Dietrich einen dem allgemeinen Wohle nützlichen und bei jenem Auf-trag recht zu lobenden ritterlichen Herrn, er wusste aber schwerlich von derpersönlichen Schwenkung, die Dietrich damit vollzogen hatte und dass es derVorkämpfer Cölns war, der sich innerhalb so kurzer Zeit zum Friedensbotendes Kaisers gewandelt hatte. Die Sinnesänderung des Grafenist in der Thatüber-raschend; ist es da nun bei dem Mangel anderer Erklärungsgründe allzukühn,ihrcnFörderer und vielleicht gar ihren Urheberin Dietrich's hohem Gefangenen,dem jungen Herzog Bertold, dessen eifrige Treue für den Kaiser gerade dieCölner so sehr bemerkten, zu vermuthen?—Es bleibt jedoch unbekannt, wann
732 Vgl. die Worte der Chron. reg. Colon, zu 1122, SA. 61.
733 Ann. Saxo 751.