Theilnahme am Friesenfeldzug. 237
Willen Hezelo's und Hermann's an St. Georgen tradirten Güter des aus-gestorbenen Hauses an sich zu reissen. (Vielleicht fand der Traditionsactdurch die Entersbacher erst statt, als er sie schon hatte, denn er war nunschon seit „ein paar Jahren" in ihrem Besitz. Erst die Rechtsverwahrung,die Bertold III als Vogt 72ä von St. Georgen erhoben hatte, nöthigte ihn, dieGüter eben auf jenem „Versammlungstage Herzog Friedrichs" zu Rotenackerim Jahre 1114 zurückzugeben und das Kloster blieb danach etwa 8 Jahre,wie die Quelle weiter erzählt, im ungestörten Besitz. Das heisst mit anderenWorten: nur die Autorität Bertold's hatte Ulrich zur Rückgabe gezwungenund sobald er nach „etwa 8 Jahren" von Bertold's Tode vernahm, begann erseine Uebergriffe von neuem. Bei solcher Lage der Dinge aber liegt dieFolgerung nahe, Bertold III, dessen Autorität Ulrich im Jahre 1114 wich,sei erst damals oder kurz vorher der Vogt des benötheten St. Georgen ge-worden. — Den Tag des Schwabenherzogs zu Rotenacker aber, den Bertoldbesuchte und auf dem obiges nebenbei geschah, wird man doch wohl am bestenmit den angesagten Rüstungen im Reiche zusammenbringen.
Am 16. Juni finden wir dann Bertold III und seinen Vetter Hermann II,sowie die Herzöge Friedrich von Schwaben und Lotar von Sachsen auf demMarsche mit dem Kaiser. Dollendorf in der Eifel ist der zufällige Ort, an demsie angetroffen werden 726 . Bedeutsam scheint es in die Zukunft zu deuten,wenn Bertold auf diesem Zuge in Verkehr mit dem Supplinburger tritt, derdereinst als deutscher König in Amt und Machtberuf das zähringische Hausüber viele Fürstenhäuser des Reiches erhöhen sollte.
Kaum 737 hatte man nun Friesland erreicht, als der Cölner Zuzug imHeere des Kaisers nach einer von den Friesen erlittenen Schlappe, zu derHeinrich selber verrätherisch beigetragen zu haben verdächtigt wurde, in dieHeimath umkehrte. Die Stadt Cöln sah in dieser angeblichen HinterlistHeinrich's V eine Bestätigung der Befüchtungen, die sie immer noch (seitdem im Jahre 1106 von Herzog Bertold II von Zähringen vermittelten Friedenher) vor ihm hegte, sie rüstete sich zur Gegenwehr und sowohl ihr Erzbischof,als eine Anzahl lothringischer und auch westfälischer Herren sagten ihrBeistand zu. Der Kaiser gab daraufhin den Friesenfeldzug auf und zog mitdem Heere — mit Alamanncn, Baiern und Sachsen, geben die Cölner ge-nauer an — gegen die voreilige Stadt. Aber seinen Angriff auf Deutz, dessenEroberung der Stadt die Zufuhr vom rechten Ufer und auf dem Strome ab-schneiden sollte, schlugen die Bürger glücklich ab und da gleichzeitig auchdie westfälischen Verstärkungen der Aufständischen herankamen, ging der
™ 5 1. o.740 St. 3114.
727 Das Folgende zumeist nach Ekkeh. Uraug. 248 und Chron. regia Colon. Rec. IISA. 52 ff.