Druckschrift 
Geschichte der Herzöge von Zähringen
Entstehung
Seite
227
Einzelbild herunterladen
 

Bertold in Rom. 227

und seinen anderen Vorgängern den Kirchen übertragen worden sind, zurück-nehmen und behalten". Es war in Wahrheit ein Gedanke, der den Umsturzaller kirchlichen und auch der weltlichen Verhältnisse in Deutschland be-deutete. Die ganz unvorbereiteten Gesandten gaben eine fast erschrockeneAntwort; schliesslich kamen sie trotz ihrer eigenen Zweifel an der Ausführ-barkeit mit Paschalis überein, dass am Sonntag, dem 12. Februar, gemäss desPapstes Erklärung der Verzicht der Kirche auf die bisher der Investitur unter-liegenden Güter und Rechte geschehen und zugleich die Kaiserkrönung Hein-rich's stattfinden solle.

Hierauf schickte der Papst dem König Heinrich seine Gesandten ent-gegen , die ihn zu Sutri trafen. Vor ihnen schwor am 9. Februar Heinrichnach der weiter getroffenen Vereinbarung dem Papste im Falle der Krönungvöllige Sicherheit; nach ihm schworen die zu Bürgen gestellten Fürsten, näm-lich Herzog Friedrich, Markgraf Engelbert, Graf Hermann, Markgraf Theobald(Bertold's Vetter), Pfalzgraf Friedrich vonSachsen, derbairische Graf Beringar,Graf Gottfried (Bertold's Schwager), Friedrich aus Sachsen, Kuno, der BruderBeringar's, Sigebot aus Baiern, Herzog Heinrich von Kärnthen, Bertold,der Sohn des Herzogs Bertold und der Canzler Adalbert folgendcrmassen 703 :ich werde bei keiner That und keinem Rath sein, dass der Herr Papst Pa-schalis II das römische Papstthum verliert, noch Leben und Glieder verliert,noch in arger Gefangennahme (mala captione) gegriffen wird. Wenn derKönig obigen Schwur und das, was in der Vertragsurkunde steht, nicht inne-hält, werde ich mit meiner Ehre zu dem Herrn Papst und zu der römischenKirche stehen: so werde ich es dem Herrn Papst ohne Arglist und hinter-hältigen Sinn halten, wenn er dem Herrn unserem König am nächsten Sonn-tag erfüllt, was in der Vertragsurkunde steht."

Am 12. Februar in der Frühe zog der König mit den Fürsten undKriegsvolk in die ewige Stadt ein und kam in die Kirche des Apostelfürsten,die er mit seinen Gewaffneten besetzen Hess. Inmitten der Ceremonie begannman in der That die gegenseitigen Verzichtsurkunden, die des Papstes zuerstzu Verlesen, obwohl Heinrich noch in einer nicht in dem Vertrage vorgesehenenErklärung allen Antheil an dem Vorhaben Paschalis' von sich abgewälzt hatte.

703 Ann. Romani MGSS. V 473 f. Bertold ist dabei bezeichnet: Bcrtoldus fäiusducis Bcrtdldi, und auch seine Unterschrift S. 474 lautet Ego Berloldus filius ducis Ber-toldi. Das kann schon deswegen nicht auf Bertold II bezogen werden, weil Bertold inbeiden Fällen als der Letzte bcine Stelle hat, was eben seiner .Tugend und unselbständigenStellung wegen geschieht. Dass etwa Bertold II, weil er kein Landesherzog war, sich sonach dem verstorbenen Vater (auch ohne quondam oder beute memorie!) bezeichnet habensollte, ist undenkbar und widerspricht seinem sonstigen Auftreten. Es geht ja auch ausBertold's III Abwesenheit bei seines Vaters Beisetzung hervor, dass er mit in Italien war. Das richtige Verhältniss ist nämlich, wo der Römerzug dargestellt wurde, vielfach über-sehen worden, beachtet dagegen von G. v. Wyss, Allg. D. Biogr. unter Bertold III.

15*