Druckschrift 
Geschichte der Herzöge von Zähringen
Entstehung
Seite
202
Einzelbild herunterladen
 

202 1105.

von Paderborn erschienen reuig vor der Synode, gelobten Ruthard als ihremMetropoliten Gehorsam gegen Rom und wurden bis zu der eigenen Entschei-dung des Papstes hierin mag eine gewisse Eifersucht Ruthard's gegen denbevollmächtigten Vertreter des Papstes hervorblicken ihres Amtes ent-hoben.

Nach der Synode trennte man sich. Ruthard war an den einen Orten,z. B. in Heiligenstadt, für die Kirche thätig; G ebhard dagegen ging nachGoslar, wo er am 27. Mai nach der soeben zum Beschluss gebrachten Weisevon Schismatikern geweihte Priester in die Kirche aufnahm und am 3. Juniden längst zum Erzbischof von Magdeburg bestimmten Kleriker Heinrichzunächst zum Diaconus, am folgenden Tage zum Priester weihte. Ob Geb-hard bei all diesen Fahrten um und durch den Harz wohl daran einmal dachte,dass einst durch diese Wälder auf der Flucht mit dem König Heinrich IVsein eigener Vater geschritten war, der sich so redlich gemüht hatte, die Sachsenvor der Rebellion und den König vor den Rebellen zu behüten ? GegenMitte Juni reiste der Bischof auf die von Heinrich V aus Merseburg an ihngesandte Aufforderung hin nach Magdeburg selbst, um Heinrich dort nunauch zum Erzbischof zu weihen. So sah er die Stadt, für deren erzbischöf-lichen Stuhl ihn in seiner Jugend einst der grosse Gregor mit in Aussichtgenommen hatte; und hier, umgeben von den Bischöfen der MagdeburgerKirchenprovinz vollzog der Hirsauer Mönch jener Zeit, der inzwischen undnur seines strengen Sinnes und seiner unermüdlichen Thatkraft wegen zumersten Geistlichen Deutschlands aufgerückt war, am 14. Juni 1105 an demneuen Erzbischof die Weihe, womit auch dieser wichtige geistliche Sitz alsfortan der kaiserlichen Parthei verschlossen betrachtet werden konnte.

Inzwischen dachte Heinrich V daran, nach so grossen Erfolgen in Sachsensich unmittelbar gegen den in Mainz weilenden Vater zu wenden. Zu diesemwar um den Anfang April der Patriarch Ulrich, sein langjähriger treuer Be-rather und Vorkämpfer gekommen und hatte dem Kaiser als Ausweg ausseiner Bedrängniss Unterwerfung unter den Papst angerathen, die Heinrichjedoch mit voller Entschiedenheit abwies. Beide hatten darauf zusammendas Osterfest gefeiert, dann war Ulrich unter Beweisen der Dankbarkeit desKaisers wieder abgereist. Merkwürdig wenig ist über Ulrich's letzte ganzeLebenszeit bekannt; doch lässt sich annehmen, dass er im Besitz St. Gallenswie schon lange auch fortan nicht mehr bedrängt worden ist. Der einstigeKriegsmann scheint in der ganzen späteren Zeit den Frieden vorgezogen undauch seinerseits mit den .hauptsächlichsten Widersachern, den Zähringern,keine Reibungen mehr herbeigeführt zu haben. Im Jahre 1121 ist er dann,wahrscheinlich zu Aquileja, gestorben.

In der zweiten Hälfte des Juni 1105 rückte Heinrich V, begleitet vonRuthard, gegen Mainz heran. Aber der Kaiser hatte Vorkehrungen ge-