196 1102—1104.
Aber gerade damals sollte Gebhard von gegnerischer Seite aus dem —allerdings wohl unfreiwilligen — Frieden der letzten Jahre aufgescheuchtwerden.
Es muss Ende 1102 geschehen sein, was uns als einzige Quelle diePeterhausener Chronik über den neuen Anschlag der Anhänger des Con-stanzer Gegenbischofs Arnold von Heiligenberg erzählt. Des letzteren Bruder,Graf Heinrich von Heiligenberg überfiel mit einer grösseren Anzahl Go-waffneter das Kloster Petershausen und setzte sich hier fest, wobei die fürdie Mönche aufgespeicherten Naturalien zum Unterhalte der heiligenberg-schen Mannschaft höchst gelegen kamen 0 ". Bischof Gebhard hielt sich inseiner Stadt nicht mehr für sicher und baute „auf einer Insel beim Ausflussedes Rheines", d. h. auf der späteren Dominicanerinsel eine Befestigung 642 , indie er sich zurückzog. Seine Hoffnung beruhte auf seinem Bruder, denn daktreue Ausharren Dietrich's von Petershausen mochte ihm wohlthun, abernützte ihm nichts. Jedoch der Herzog Bertold ritt in dieser Zeit zum Kaiser,der Weihnacht 1102 zu Mainz feierte und am Epiphaniasfeste, am 6. Januar1103 einen allgemeinen Reichsfrieden verkünden liess, den des Kaisers in-zwischen zum König erhobener Sohn, der junge Heinrich (V), die HerzögeWeif V, Bertold und Friedrich von Schwaben, die drei letzteren mit der be-sonderen Zeitgrenze Pfingsten 1107, ferner viele Markgrafen, Grafen undAndere beschworen, während der Kaiser noch einmal feierlich Allen, die seineGnade verloren hatten, verzieh und öffentlich seine Absicht kund that, dasheilige Grab zu Jerusalem zu besuchen 643 . So hatte also Bertold den Bruderim Stich gelassen — „durch Geschenke bestochen wie fast alle Uebrigen"sagt gewiss mit Unrecht die Petershausener Chronik — und Gebhard musstein demselben Januar 1103 seine Stadt räumen. Die Gegner aber führtenArnold von Heiligenberg mit grossem Triumphe in die Stadt und setzten ihnam 2. Febr. 1103, am Tage Mariae Lichtmess, in die Constanzer Kirche alsBischof ein 644 .
641 Auch diese Nachricht der Cas. mon. Petrish. MGSS. XX 656 deutet darauf, dasader Ueberfall nach der Ernte (von 1102) geschah. Die Zimmern'sche Chronik I 77 hatausführliche Nachrichten über die Theilnehmer des Zuges (z. B. auch Ulrich von Aquileja)und die Ereignisse vor Constanz selbst, scheint aber in Bezug auf Letztere nicht einwandfrei.
64J 1128, nach der Fehde zwischen Graf Rudolf von Bregenz und Bischof Ulrichvon Constanz, gehörte es zu den Friedensbedingungen, dass dies Castell Gebhard's III ab-gebrochen werde, Cas. mon. Petrish. 1. IV c. 20.
648 Vgl. MGLL.II 60; Siegbert Gembl. MGSS. VI 368: in quadriennium; Ann. Aug.135; V. Heinrici IV S. 277; Ekkehard Uraug. zu 1103 S. 224f. Bemerkenswerth ist, dassnach den Augsb. Ann. der Friede zunächst auf ein Jahr gesichert wurde; nach dem Textder Friedensconstitution beschwören ihn auf 4 Jahre ausdrücklich nur die ganz für sich auf-geführten "Weif, Bertold und Friedrich. Es handelte sich da also wohl um ein besonderesAbkommen mit und unter den drei süddeutschen Herzogen.
0,4 Vgl. auch Ann. Aug. 135.