182 1095. 1096.
— einst der Traum Gregor's VII — nun bald durch die AVorte von PapstUrban's Mund zu einem das ganze Abendland erregenden Sturme anschwellenund mehr als ein Jahrhundert hindurch die Geschichte beherrschen, in Jahr-hunderten erst erlöschen und verhallen sollte: die Kreuzzugsbewegung: inihren Anfängen der all' ihre Kraft entfaltende Triumphzug der auf der Höhedes Sieges stehenden Kirche, dann so bald ein bunt verstricktes Gemengefrommer, opferfreudiger und grosser Gesinnungen, tapferer Thaten und eigen-süchtiger, ehrgeiziger und abenteuernder Hoffnungen, Pläne und Unterfangen,im Ganzen berufen, das Abendland auf- und durcheinander zu rütteln, dieschläfrigen Augen des Laien weit, weit zu öffnen, ihn mit der Welt und ihrerSchönheit überall, mit Kenntnissen und Gedanken, Bildern, Farben, Traum-gebilden und unerschöpflichen Phantasien zu erfüllen, in Lebenslust ihn sichtummeln und der Herrin, die vor dieser neuen Zeit war, der Kirche, bis aufeinen Schatz einfacher Frömmigkeit im innersten Herzen und bis auf die Ge-wohnheit der Form und der alten Lebensart so fast völlig vergessen zu machen.
Nach dem Schluss der Synode (7. März) scheint Gebhard noch einigeZeit bei dem Papste, der noch ein paar Wochen in Piacenza blieb, verweilt zuhaben. Am 8. März fertigte die päpstliche Canzlei die Bestätigung der Privi-legien des in der Constanzer Diöcese gelegenen St. Georgen aus, an demselbenTage auch die für Hirsau. Dem letzteren ward dabei auch der Besitz vonGilstein (OA. Herrenberg) mitbestätigt 597 , das ja in Austausch für die Güterder zähriiigischen Propstei Weilheim gegeben worden war. Am 10. Märzwurde ferner die Urkunde, welche auf Gebhard's Ersuchen 598 die Gründungvon St. Peter bestätigte, erlassen und wohl ihm selber übergeben. Auch derneue Abt von Reichenau, Ulrich, der seit 1089 im Amte war, aber die Weihenoch nicht erhalten hatte, gelangte in Piacenza zu dieser, und zwar durchUrban's eigene Hand in Gegenwart Gebhard's. Wohl mit Recht ist daraufhingewiesen worden 5 ", dass Gebhard wegen des wieder erneuerten Streitesdes Bisthums mit dem Kloster über das Herrschaftsrecht über die Insel dieWeihe bisher verweigert haben möge. Nun erhielt Ulrich die Weihe, aberzugleich verwies ihn Urban auf die schon 1089 geschehene Entscheidung jenesStreites. Trotzdem unterfing sich der Abt später von neuem die Herrschaftüber die Insel zu beanspruchen und der Papst musste es ihm auf Gebhard'sKlage durch ein abermaliges Breve untersagen.
Bei Gelegenheit dieser italienischen Reise hat Gebhard sich auch inMailand aufgehalten, wo er zusammen mit seinen Amtsbrüdern von Salzburg
607 WUB. I 305. Der Tausch ist dort in sehr verkürzter Form erwähnt, das Näheregiebt Cod. Hirsaug. 85.
508 Liber vite mon. S.Petri Freib. Diöc.-Archiv XIV 71. Die Bestätigungsbulle selbstESP. 136 f., s. oben S. 172.
680 Henking S. 57. Vgl. dazu Bernold 463 und Oehem 124.