Concil von Piacenza. 181
(16. Oct.) 1094 fand in Augsburg „eine Besprechung der Schwaben" statt,die wir mit Sicherheit als eine solche der kirchlichen Parthei zu betrachtenhaben 595 . Ueber Theilnehmer und Gegenstand ist nichts bekannt. "Wennman aus dem Schweigen der nicht-augsburger Quellen vermuthen darf, sohandelte es sich um die Neubesetzung des Augsburger Bischofsstuhls, dennBischof Eberhard, der frühere Abt von Kempten, war in demselben Jahreauf einer Reise nach Italien zu dem jungen König Konrad, der ihm Augsburgbestätigen sollte, gestorben.
Am 16. Jan. 1095 weihte Gebhard das Oratorium des Klosters A.lpirs-bach, das Rotmann von Hausen, Adalbert von Zollern und Alwich von Sulz nachVerständigung mit ihm gegründet hatten und nahm es als päpstlicher Vicarvorläufig in apostolischen Schutz 5% . Dann aber machte er sich auf und zog imWinter über die Alpen, um an der grossen Fasten-Synode theilzunehmen,welche Papst Urban nach Piacenza einberufen hatte. Am 1. März ward diesegewaltige Versammlung der gregorianischen Welt eröffnet; auf 4000 Kleriker,30 000 Laien schätzen die freudigen Berichte die Zahl der Anwesenden. AusDeutschland waren neben Gebhard auch die ihm bekannten Thiemo von Salz-burg, Ulrich von Passau und der Abt Ulrich von Reichenau, mit ihnengewiss noch andere Geistliche der gregorianisch-hirsauischen Richtung er-schienen. Es waren gerade diejenigen Puncte, mit welchen sich schon Geb-hard's Diöcesansynoden beschäftigt hatten, die nun auf der oikumenischenVersammlung zu allgemeiner Beschlussfassung gelangten: die Präge der durchSimonie und Cölibatsvergehen befleckten Priester, sowie der unvermeidlichenMilde gegenüber den Excommunicirten und die Regelung der Pasten. Gewisswird der eifrige Zähringer nicht stumm geblieben sein bei der Verhandlungdieser ihm so geläufigen Dinge, von denen er zwei da hinein spielende Fragen,die Behandlung der von schismatischen Bischöfen ordinirten Priester und dervon Excommunicirten vorgenommenen Kindertaufe in aller Eile durch Ber-nold in Denkschriften für das Concil hatte bearbeiten lassen. Die erste Fragewurde von der Kirchenversammlung mit Anlehnung an Gebhard's und Bernold'sAuffassung entschieden, die zweite anscheinend nicht zum Beschlüsse gebracht.
Auch die Sache der Kaiserin Praxedis, die selber vor die versammeltenGeistlichen trat, ward und zwar genau im Sinne der Constanzer Synodeerörtert.
Bischof Gebhard hat auf dieser grossen Versammlung zu Piacenza auchdie öffentliche erste Anregung zu der grossen Erhebung persönlich erlebt, die
506 Sie wird zwar nur von den Ann. Aug. erwähnt. Aber Augsburg war damals zurVerfügung Weif s, von dem auch der bisherige Bischof eingeführt war, und die zornigenBcgloitworte der Annalen zu der Thatsache der Versammlung geben weitere unbedingteSicherheit, dass es keine Versammlung der Freunde des Kaisers war.
SM Bei Schmid, Hohenzollern, II 60 ff. ist der Stoff vereinigt.