Partheitage. Landfrieden. 177
schlössen hatten. Und besonders Herzog Bertold" — fährt Bernold fort —„hatte solchen Feuereifer in seinem Herzogthume das Recht zu handhaben,dass er fast alle seine Vorgänger darin übertroffen und Aller Mund davon mitverehrungsvollem Gerücht erfüllt hat.* 4 So stand denn also die Ausführungder Ulmer Beschlüsse doch wieder bei der herabgedrückten weltlichen Macht.
Unter anderen war das Kloster St. Georgen mehrfach in der Lage, denSchutz Bertold's anzurufen. Die Leute von Aseheim oder Aasen (BA. Donau-eschingen) sahen mit Abgunst oder Besorgniss die Ausbreitung des klöster-lichen Gutes; sie klagten, die Mönche drängen ihnen auf das eigene Gebiet,hätten einen ehemals gemeinschaftlichen Landstrich sich ganz allein angeeignetund würden in ihrer Gier nicht ruhen, so lange noch ein Fleckchen "Wald oderRasen übrig sei. Mehrfach gelang es dem Abte Theoger selber, die Ase-heimer wieder zu beruhigen, mehrfach musste aber auch Herzog Bertold ein-schreiten. Danach rückten jene aber doch einmal mit allerhand Waffen undGeschirr, wie jeden sein Inventar ausgerüstet hatte, gegen das Kloster drohendheran; dieses sandte schleunigst zu Bertold und meldete seinen bevorstehen-den Untergang. Bertold kann nicht fern gewesen sein; er fing die Leute nochrechtzeitig ab, ehe sie nach St. Georgen gelangten, verhörte sie, nahm ihnenihr Gewaffen ab, liess nach dem bei Unfreien zweckdienstlichsten Verfahrenjedem ein paar Schläge verabreichen und schickte sie besänftigt wieder nacliHause 583 .
Schon bald nach dem Ulmer Tage, am 17. Januar 1094, fand auf's Neueeine sehr grosse Versammlung und Besprechung und zwar auf der Dingstätteeines zähringischen Gaues, zu Rottweil statt 584 . Es waren „Herzog Bertoldund sehr viele Vornehme der Alamannen und Unzählige freien Standes" an-wesend. Dort wurde durch Manegold von Altshausen St. Georgen noch ein-mal dem hl. Petrus „in der römischen Stadt" unterstellt und Hesso, der über-lebende Stifter, ging selber nach Rom, um die unmittelbare Uebertragungvorzunehmen. Vielleicht lag darin eine kleine Spitze gegen Bischof Gebhard,der vorher das Kloster an den hl. Petrus genommen hatte. Ferner hielt man
68s y_ Theogeri MGSS. XII 455. Leider ist die Zeit nicht genauer zu bestimmen,als 1092 — gegen 1098. Die Darstellung der Vita ist übrigens ungewöhnlich hochmüthig. —Zum Schluss bringt, was Bertold's Ansehen nicht dauernd vermochte, die HeiligkeitTheoger's fertig: die Aseheimer werden zahm „und so kam es, dass auch ein Theil jenesDorfes nebst einer nicht geringen Menge Aecker durch rechtmässige Schenkung an dieKirche von St. Georgen kam". Bertold II wird, natürlich von ihrem Gesichtswinkel aus,sonst aber zutreffend von der Vita als ein „zwar in weltlichen Geschäften steckender, aberganz christlicher Mann, der den heiligen Mann [Theoger] und den heiligen Ort [St. Georgen]immer in frommer Neigung verehrte" characterisirt.
684 Not. fund. S.Geo. 214. Ausser dem im Text Erzählten erfahren wir aus den Ereig-nissen der Versammlung nur noch von einer an demselben Tage vorgenommenen Schenkungan St. Georgen.
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