Ein Gegenbischof für Constanz. 169
(wie einst die Ueberreste jenes kanaanäischen Volkes für die Kinder Israel)zur Uebung der Demuth aufgespart babe, dass er in seinem Glück nicht über-müthig werde.
Mit der Vertreibung der Constanzer aus dem Thurgau hatte der Kampfallem Anschein nach sein Ende; jedenfalls musste Ulrich auf die EinführungArnold's von Heiligenberg verzichten und Gebhard blieb vor der Hand imungestörten Besitze des Bisthums. Arnold erlangte danach 1093 die Priester-weihe und dann auch die Ordination zum Bischöfe durch den GegenpapstWibert; aber es sollten noch zehn Jahre nach jenem ersten Versuch aufConstanz vergehen, bis wir ihm in einer glücklicheren Erneuerung desselbenwieder begegnen werden. Ulrich aber kehrte bald nach Italien zum Kaiserzurück 562 .
Weif lag am Anfang des Jahres 1093 in Fehde um dieBuchhorner Gütermit den Bregenzer Grafen, die er somit der Parthei entfremdete, die Heiligen-berger waren auch abgefallen,, immer mehr sahen sich die Treugebliebenendes hl. Petrus vereinzelt. Manche dachten schon daran, wie der SchaffhausenerAbt, aus Schwaben zu wandern und das Land den Excommunicirten zu über-lassen. Da war es denn eine um so frohere Botschaft, dass die Baiern vonder Parthei "Weif s siegreich in Augsburg eingedrungen waren, den BischofSiegfried vertrieben und einen katholischen Geistlichen, den Kemptener AbtEberhard an seiner Statt erhoben hatten 563 . Und dann aus Italien im gleichenFrühjahr 1093 die Kunde, Kaiser Heinrich's Sohn, der junge seit 1087 zumKönig gekrönte Konrad, sei von dem Vater abgefallen, habe Beziehungen mitdem jüngeren "Weif und mit Mathilde angeknüpft und sei somit als ein neuerGegenkönig erstanden.
Der ermattete Widerstand hatte abermals neues Leben erhalten. Und umso eifriger feuerte ihn Gebhard überall an. — Am 4. Mai 1090 war der früherauch hier mehrfach erwähnte Hermann von Metz gestorben; an seine Stellewar ein Trierer Domprobst Poppo berufen worden, ein eifriger Gregorianer,obwohl sein Bruder, der Pfalzgraf Heinrich, kaiserlich war, hatte jedochzunächst Schwierigkeit durch einen Gegenbischof gefunden. Dann kündetenaber im Jahre 1093, als das Missgeschick über den in Italien weilenden Kaiserhereinzubrechen schien, auch die Bischöfe von Toul und Verdun dem TriererErzbischof die Obedienz auf und schlössen sich mit Poppo von Metz zu-sammen 561 : die Kirche Lothringens erhob sich für Papst Urban. Da zögerteauch Gebhard, der Vertreter des Papstes nicht, in eigener Person in diesLand der Hoffnung zu eilen. Poppo war noch nicht geweiht und diese Feiersollte jetzt geschehen ; wahrscheinlich war es Gebhard's Absicht, sie als der
60s Er war in der Osterzeit bei Heinrich IV, vgl. Giesebrecht 653.605 Bernold 456, Ann. Aug. zu 1093 S. 134.fM Bernold 456 u. Jaffe V 169.