Die Thurgaugrafschaft. 129
auch nannte, vor allem für die Bewahrung oder Rückeroberung der Grafschaftim Thurgau gegen den mächtigen örtlichen Feind dieses Anspruchs gekämpfthabe, ebenso wie er die vorhergehende zeitweilige Unterbrechung dieser thur-gauischen Kämpfe nach seinem dortigen Missgeschick im Jahre 1079 dazubenutzt hatte, um den Breisgau, dem gegenüber er so lange ganz in derselbenLage war, zurückzugewinnen 412 . Und die Rückeroberung dieser beidenschwäbischen Grafschaften war in der That dasjenige, was unter dem von ihmselber geschützten Herzogthum des jungen Rheinfeldners in Schwaben amehesten geeignet war ihn zur Einsetzung all' seiner Kräfte zu locken, wo-durch er am meisten zugleich die Loyalität gegen den Landesherrn und dieRücksicht auf sich selber zu verbinden vermochte. Bei solcher Sachlage ge-winnt denn die Lage der Dinge im Thurgau auch für uns ein besonderesInteresse.
Wenn in ganz Schwabenland, wie die Annalenschreiber dieser Zeit klagen,tiefgehendste Partheiung jeden einzelnen Mann vor die Entscheidung forderte,so konnten vor allem in der Nähe Ulrich's von St. Gallen nur Bundesgenossenoder Gegner neben einander wohnen. Zu St. Gallen hielt (abgesehen von demConstanzer Bischof Otto und dem nicht in den Thurgau gehörigen BuchhornerUdalrichinger Otto) 443 Graf Wetzel von Bürgein, der schon oben 444 als dervielleicht von Heinrich IV eingesetzte Thurgaugraf vorkam, und ein andererGraf, Cuno, der bisher nicht genauer bestimmt worden ist 44ä . Denn, wie der Her-zöge mit und ohne Land, waren es in den Wirren der Zeit auch solcher Grafengar viele geworden. — Ihnen stand eine mächtige und glänzende Vereinigungvon Gegnern gegenüber: die Herzöge Weif und Bertold II, die BregenzerGrafen, mit den beiden Bertolden verschwägert, dazu das Kloster Reichenauunter seinem dem St. Galler Ulrich an Kriegsmuth kaum nachstehendenAbte, dazu dessen Bruder Graf Burkard von Neuenbürg 448 , ausser ihnen vonthurgauischen Herren die Toggenburger 4 ' 7 , die Machthaber von Ittingen 448und nicht zuletzt der als zu Heinrich's IV grimmigsten Feinden gehörig be-zeichnete Graf Hartmann, der Dillinger, der durch Heirath die Gegendenvon Winterthur erworben hatte und dessen Sohn auf der Kyburg sass 449 , die
442 Auch Weif kämpft gegen St. Gallen, aber nicht im Thurgau: res .. . monasteriisibi e vicino sitas nobis subtraxit Cont. cas. S. 56f.; das sind also die Besitzungen umRavensburg herum, welche durch die Karte II, die den St. Galler Mittheilungen Heft XIII(N.F. 3) beigegeben ist, veranschaulicht werden.
448 Vgl. Meyer v. Knonau in seiner Ausg. d. Cont. cas. S.Galli S. 58.444 S. 120.
4,6 Vgl. Meyer von Knonau ibid. S. 55, oben S. 120.
446 Meyer von Knonau Anm. 70.
447 ibid. S. 66, 69 und Excurs I S. 125 ff.
4,8 ibid. 62 und berichtigend S. 106 Anm. 264.
449 S. 61.
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