128 1082. 1083.
Fürsten Schwabens 486 um sich, unter denen der Zähringer, der seinen neuenKönig vorher möglicherweise noch nicht gesehen hatte, nicht gefehlt habenhaben wird. Aber ehe sich Hermann anschickte, über die Alpen zu gehen,erreichte ihn die Kunde von dem Tode Otto's von Nordheim (11. Jan. 1083),der nach einem warnenden Unglücksfall, der ihn betraf, aus einem beleidigtenRivalen sogar die starke Stütze des unmächtigen Königs in Sachsen gewordenwar, und so gab der Gegenkönig, für sich selber besorgt, den bedrängten Papstauf und ging nach Sachsen zurück. Als Spur seiner Anwesenheit blieb nur einneuer Gegenabt für St. Gallen nach, ein Reichenauer Mönch Wernher 487 , den ernoch gerade vor seinem Abzüge 433 eingesetzt hatte, ohne indessen Abt Ulrichdamit eine grössere Besorgniss zu schaffen. Um so thatkräftiger fuhr dasHaupt von Reichcnau selbst, Ekkehard, fort auf Ulrich einzudringen; er nahmin diesem Jahre 439 , 1083, mit Gewalt eine kleine Warte ein, welche derSt. Galler jüngsthin an der Thur errichtet hatte — man meint, es ist Lütis-burg 44ft — und schuf aus derselben mit Hilfe Bertold's von Zähringen, derRath und Besatzungs-Truppen 441 spendete, für sich selber und die eigeneParthei einen grösseren mit Thürmen wohlverwahrten Platz, so dass Ulrichtrotz mehrmaliger härtester Belagerung die Festung vielleicht nicht wieder-eingenommen hätte, wären nicht zwei die Besatzung befehligende Ritter indie Hände der St. Gallischen gefallen. Nach dieser Zurückgewinnung warddann die für St. Gallen anscheinend doch schwer zu behauptende Feste ge-schleift und zerstört.
Mag auch noch so dunkel und kurz in diesen Nachrichten der AntheilBertold's n abgethan sein, wir dürfen denselben darum nicht als eine Einzel-erscheinung betrachten, müssen ihn mit den früheren und späteren Ereiguissenzusammen begreifen. Und da ergiebt sich denn ein niemals dauernd auf-gegebener Kampf des Zähringers gegen Ulrich III gerade auf thurgauischemBoden. Sollen wir die besondere Erklärung dafür einzig darin erblicken, dassBertold den Eppensteiner als Feind seines Hauses oder dass er St. Gallen, daser schon im Breisgau und sonst in Schwaben empfindlich genug getroffenhatte und weiter treffen konnte, nun möglichst in der Nähe des Klosters be-drängen wollte? Das reicht nicht aus. Immer aufs Neue gewinnt die Vor-stellung Gestalt, dass der zähringische Markgraf oder Herzog, wie man ihn
436 Bernold S. 437.
437 Cont. cas. S. Galli S. 67 f.
438 Das nehme ich an, weil Gallus Oehem S. 120 f. davon schon mit der Jahrzahl1083 berichtet.
430 Die Zahl glaube ich aus Oehem (S. 121) übernehmen zu dürfen. Sonst nachCont. cas. S. Galli S. 68 f.
440 vgl. Meyer v. Knonau ibid. Excurs I S. 125 f.
441 So ist vielleicht das zu übersetzen: tantis turribus et copiis, marchione Ber-töldo in id rerum faoente, munivit. Oder hätte Bertold Geld gegeben?