Neue Königswahl. 125
Weif und Bertold II sahen jeder auf beträchtliche Erfolge zurück undkonnten ihre Stellung innerhalb Schwabens als viel gesicherter und gekräf-tigter betrachten, bis nunmehr Rudolfs Tod der ganzen Sachlage im Reicheine so grosse "Wendung gab und neue Fragen aufwarf. Eines musste sofortklarliegen: die zuletzt ohnehin sehr schwache Fühlung mit den sächsischenGegnern Heinrich's war dadurch so gut wie gänzlich aufgehoben. Eine innere,geistige Beziehung zwischen den trotzigen sächsischen Königsrebellen undden in engster Verbindung mit Gregor VII vorgehenden, für die grossenZiele Roms in Gemeinschaft mit dessen geistigen Vorkämpfern, den Hirsauern,streitenden Herzögen Weif und Bertold II hatte nie wirklich bestanden undder Zusammenhang beider Oppositionsgruppen war schliesslich an RudolfsPerson allein geknüpft gewesen. So gingen denn auch beide sogleich getrennteWege, als der gemeinsame König nicht mehr unter den Lebenden weilte. Dastrat schon in den Gedanken über eine Königswahl genugsam zu Tage. Fürsich allein beriethen im December die Sachsen über das fernere Geschick„ihres Reiches" 42 ' und König Heinrich selber nahm aus augenblicklichenRücksichten den Gedanken eines sächsischen Sonderstaats soweit auf, dasser ihnen die Wahl seines eigenen Sohnes Konrad vorschlug; ihm lag jetzt vorallem daran, nach Italien ziehen zu können. Ebenso erfolglos freilich, wiedieser Vorschlag, blieb in ihrem eigentlichen Zweck auch eine Waffenstillstands-verhandlung, die im Februar 1081 zwischen den Sachsen, mit denen sonstnur noch der Mainzer und der Salzburger Erzbischof waren, und Bischöfender Königsparthei bei Kauffungen im winterlichen Walde stattfand 42 \ In-dessen die Art des Hin- und Herredens auf dieser Versammlung gab ihm nundoch den Muth die Gegner im Rücken zu lassen und die Romfahrt zu be-ginnen ; am 4. April konnte er bereits in Verona das Osterfest begehen 424 .
Es erscheint fast, als ob es erst des Abzuges des Königs von der deut-schen Erde bedurft hätte, um die Sachsen wieder mit weiteren Blicken überdas Reich hin schauen zu lassen. Sie entsannen sich jetzt auch der altenFreunde 425 im Süden, luden sämmtliche Stämme deutscher Zunge zu einerneuen Königswahl ein, der sie selber, wenn nur nicht Heinrich oder sein Sohn
der Familie von Beringen erscheinen, vgl. QzSchwGesch. III 1 passim. An Bertold vonRheinfelden ist zu allerletzt zu denken.
Wo kann Singerbrucho gelegen haben? Steckt darin der Ort Singen und Brugg,Brücke? War ein dem zähringischen Hohentwiel etwa benachbarter Platz absichtlich ge-wählt? War der Herzog nur als Vertrauensmann anwesend? Oder haben wir hier nocheine Spur eines Grafenamtes Bertold's?
423 Bruno c. 125, SA. 96 f., vgl. auch den Brief Gebhard's von Salzburg bei Gretser,Opp. VI 436.
428 Bruno c. 126 ff. SA. 97ff.
* M Kilian 89.
426 „veteres amici" Bruno c. 130 SA. 101.