Bertold erobert den Breisgau. 121
allein schon sich Bertold'sHeerzug natürlich genug zunächst gegen ihn richtete,auch abgesehen davon, dass in unmittelbarer Nähe von Herrenzimmern eineandere St. Gallische Besitzung 405 , Thalhausen lag 406 . Nach der Einnahme derBurg, die, wenn wir den berühmten Zimmern'schen Chronikenschreibern des16. Jahrhunderts auch hierher folgen wollen, sammt der an ihrem Fusse ent-standenen Ansiedlung geplündert und verbrannt wurde, setzte Bertold seinenWeg aus den Neckargegenden, von der Baar her fort und gelangte über denSchwarzwald in das breite Dreisamthal, die eigentliche Pforte des Breisgausvon Osten. Hier ragte in nächster Nähe St. Gallischen Besitzes (der in Zartenund Kirchzarten lag 407 ) am östlichsten Ende der Weitung und recht als Hüterder Wagensteig, des damaligen Schwarzwaldüberganges, Burg Wiesneck auf,die nach Aussage der Zimmern'schen Chronik 408 den ebenfalls zu Heinrich IVhaltenden Freiherrn von Tengen gehörte; auch sie fiel in Bertold's Hand 409und ward von ihm zerstört 410 . So konnte er nunmehr das breite Thal hinab-ziehen und ebenso ungehindert — denn nur Adelhausen und Wiehre, wehr-lose Dörfer lagen am Ausgang — in die Rheinebene einrücken: er stand imHerzen des Breisgaues und sah sich als dessen Herrn. Landauf, landab ver-wüstete er alles Gut, dessen Inhaber königlich war oder sich durch die Vor-gänge der letzten Jahre zu der Anhängerschaft Heinrich's IV hatte wendenlassen 411- , auf das reiche Gut St. Gallens aber legte er die Hand und zog dieNutzungen für sich ein, so dass zu den Mönchen nun „innerhalb vieler Jahreauch nicht für eines Obolus Werth" von dem guten Breisgauer Wein, vomGetreide und all' dem sonstigen Ertrag aus diesen schönen Gütern kam 412 ."
105 Wüiitemb. ÜB. I S. 34. Mittheiluugen zur vaterl. Gesch. hrsg. v. hist. Ver. inSt. Gallen XIII (N.F. 3) S. 182.
400 ygj gmyjj ^j e Karte i u der „Beschreibung des OA. Rottweil", Stuttg. 1875. Derdortige Text S. 450 f. verwechselt Bertold I u. II. Die St. Galler Besitzungen in diesemOberamt sind ibid. 155 aufgeführt. Thalhausen liegt im OA. Oberndorf, vgl. dessen „Be-schreibung^ Stuttg. 1868, S. 232.
407 St. Galler Mittheilungen XIII (N. F. 3) S. 159. Oehem's Darstellung wird durchden gerade hier gelegenen St. Galler Besitz nur noch vertrauenswürdiger.
408 S. 73. Nun weist aber L. Sehnlid, Hohenzollern, I 17 in Wiesneck als Herrendie Zollern nach. Liegt der Ausweg etwa darin, da zu dieser zollcrnschen HerrschaftWiesneck auch ein Hof in Thiongen gehörte, dass die „Freiherren" von „Tengen" derzimmernsehen Chronik nur von den Zollern abhängige Leute waren?
409 Oehem ibid.
410 Denn 1130 lag sie in Trümmern: per crepidinem montis a diruto castroWisenecgeusque ad magnam vaUem Dümge S. 129.
411 in odium Heinrici regis omnem Brisaugiam rapina ebincendio vastavit Cont.casuum S. Galli ed. M. v. Kn. 54 f.
413 Cont. casuum 56. Bei dem beklagten vinum ist in erster Linie an Ebringer vonihrer dortigen Propstei zu denken. Die Besitzungen St. Gallens im Breisgau sind aufgezähltin Meyer von Knonau's Excurs II in den St. Galler Mittheilgn. XIII von S. 155 ab, vgl.auch die zugehörige Karte.