Der Krieg in Schwaben. 119
Fast noch während aller der eben erzählten Vorgänge, die den Partheienzur Festigung dienen sollten und der Sachlage in Schwaben ein ganz ver-ändertes Ansehen gaben, begann zugleich in diesen Frühlingstagen von 1079in verschiedenen Gebieten des Herzogthums mit ganz besonderer Lebhaf-tigkeit der offene Waffenstreit. Friedlich von Staufen versuchte seinen Ein-marsch von Osten her und kam bald genug vor Ulm, das eben erst den Gegen-herzog Bertold in seinen Mauern beherbergt hatte; indessen blieb dieserKampf, in welchem sich Weif dem Staufer entgegenstellte, mit seinen Wechsel-fällen auf die Gegenden von Ulm und Augsburg beschränkt und zog wederBertold von Zähringen noch seine Besitzungen mit in sich hinein. So behieltdieser, als das zweite Haupt der Rudolfiner 391 , die Freiheit der Bewegung,um sich gegen deu nächst Friedrich am meisten in Betracht kommendenGegner, den Abt Ulrich von St. Gallen zu wenden 392 , der sich just anschicktedie Verwaltung Beichenaus an sich zu nehmen. Es bedünkte sie selber alsein den Zwiespalt noch verschärfendes Nachspiel der so nahe zurückliegendenFamilieneifersucht um Kärnthen, wenn jetzt der Zähringer und der Eppen-steiner in Waffen gegen einander standen 393 . Bertold, um Beichenau gegenden heranziehenden Abt zu schützen, fiel in den Thurgau ein 394 , dessen Graf-schaft 395 einst seinen Vätern unterstanden hatte und Bertold I, falls er nichtsie früher niedergelegt und 1073 etwa nicht wieder mit aufgenommen hatte,erst zu Ulm 1077 abgesprochen worden war, vielleicht sich aber überhauptnoch nicht wieder in anderweitiger fester Verwaltung befand und an derenBehauptung oder Rückeroberung Bertold immerhin bei jenem Einmarsch mitdenken mochte 396 . Vor Veitheim bei Winterthur trafen die Partheien mitdem ganzen Machtaufgebot der beiden grossen Nachbarklöster, die so ganzverschiedene Wege gingen, auf einander und kamen zu blutiger, auf beiden
801 ain offner vind Itüng Hainrichs, Irindan gesetzt hertzog Wolffen der riclwst undmechtigost sagt S. 119 Gallus Oehem (ed. Baraek, Bibl. d. Stuttg. litt. Ver. 84), der hierüberall die zu Grunde liegenden St. Galler Annalen für seine Reichenauer Chronik aus-führlicher benutzt, als es der Fortsetzer der „Casus" gethan hat.
804 Cont. casuum S. Galli ed. Meyer v. Knonau 54.
S9s Dj ese Auffassung ist von den Ulrich so nahe stehenden verlorenen St. GallerAnnalen in die Cont. Casuum und die Chronik Gallus Oehem's übergegangen, vgl. S. 80 ff.resp. S. 123. Beide sagen sogar, Bertold habe noch eigene Ansprüche auf Kärnthen unddie Mark [nicht Steyr, wie Oehem hat, sondern Verona natürlich (von der Cont. cas. alsIstrien bezeichnet)] aufrechterhalten. Die Chron. reg. Coloniensis, Bec. II, SA. S. 45nennt Bertold II noch zu 1106 dux Karintie, natürlich irrthümlich, aber doch nicht ohnejede Grundlage für diesen Irrthum (falls nicht etwa sie schon in eine Etymologie für„Zähringen" verfällt, die auch einem Neueren nicht erspart geblieben ist. Vgl. Anm. 731.)
394 Nach Oehem 118f.
895 Vgl. oben S. 7, 19 u. 31.
896 Der nächste urkundliche thurgauische Grafenname erscheint erst 1094, vgl.ZüUB. 1 134.