118 1079-
des Widerstandes gegen Heinrich IV enger aneinanderschlossen, erfolgte ausihrer Mitte ein weiterer bedeutsamer Schritt zur Bekundung ihres ungemiu-derten Widerstandes. Bisher hatte Rudolf auch als König den Seinen nochimmer als rechtmässiger Herzog von Schwaben gegolten; aber seit langeweilte er ferne und um so mehr konnte die Einsetzung eines Herzogs durchHeinrich IV verwirrend und für die Rudolfiner gefährlich in Schwaben wirken.So begegneten sie denn der Belehnung mit der Wahl eines neuen schwä-bischen Stammoberhauptes: Herzog Weif, hier als geborener Schwabe, undandere Häupter der Parthei (seniores), bei denen doch in erster Linie mitan Bertold von Zähringen zu denken ist, der sich gerade jetzt unmöglich ferngehalten haben kann, führten den jungen Rheinfeldner Bertold nach Ulm underklärten ihn hier in der Stadt so vieler schwäbischer Tagfahrten nach all-gemeiner Umfrage 388 feierlich zu ihrem Herzog und Herrn, wobei sie nichtunterliessen darauf hinzuweisen, dass einst schon König Heinrich selber demdamaligen Herzoge Rudolf die Nachfolge seines Sohnes, als dieser noch einMeines Kind war, versprochen habe 389 — eine Bezugnahme, die selbstver-ständlich auf die königlich Gesinnten oder Schwankenden im Lande berechnetwar und dem neuen Herzog einen weiteren Schein älterer und grösserer Legi-timität vor dem Staufer geben sollte. Eine Mitwirkung Rudolfs, des Vaters,wird in keinem Sinne irgendwie bemerkbar; es ist bei der schnellen Aufeinander-folge der Ereignisse nicht ausgeschlossen, dass der Nachrichtenverkehrzwischen ihm und den Schwaben in dieser Zeit sehr erschwert oder auch denletzteren zu langwierig war und dass ihnen ein rasches selbständiges Vorgehengeboten erschien. Es ist sehr zu bedauern, dass gerade die Gestalt diesesjüngeren Rheinfeldners durch alle Zeit seines Lebens so wenig, von allenwichtigeren mithandelnden Persönlichkeiten am wenigsten deutlich aus derDämmerung der Ueberlieferung hervortritt; nur dass er noch sehr jung, jüngerals der gleichnamige Zähringer gewesen sein muss, geht aus dem hervor, wasbei der Wahl in Ulm erzählt wurde, wonach er ein „parvulus" war, alsHeinrich IV als schon selber bestimmender König ein Versprechen für ihnabgeben konnte. Seine Geburt wird demnach erst in die sechsziger Jahregesetzt werden müssen und diese seine Jugendlichkeit erklärt auch die passiveRolle zur Genüge, die er gespielt hat 39 ° und dass er bei seinem Tode imJahre 1090 weder Erben noch überhaupt eine Gemahlin hinterliess.
mählung seiner Schwester stattfand, welche letztere Bertold erst später (320) erzählt,bleibt unsicher; ein zeitliches und örtliches Zusammenfallen beider Handlungen ist wegender getrennten Erwähnung bei Bertold von Reichenau nicht wohl zu vermutheu.
388 Bertold Ann. 319: communi suffragio.
380 ibid.
890 Auch für den Papst steht der junge Rheinfeldner stets hinter anderen süd-deutschen Anhängern an Wichtigkeit zurück, wie jedesmal hervortreten wird.