Bertold's II Vermählung. 117
Grund gelegt hat. Alsbakl bereitete Friedrich mit bairischen und fränkischen,zum Theil auch schwäbischen Mannen einen Heereszug vor, um das ihm zu-gewiesene Herzogthum sich zu erobern.
In dieser Osterzeit war des Gegenkönigs Rudolf Gattin, Adelheid, ge-storben 383 . Sie, die Schwester der Königin Berta, hatte, getrennt von ihremGemahl, seit dieser sich nach Sachsen hatte zurückziehen müssen, zuerst aufburgundischen Burgen in Flucht und Noth gelebt, war dann in das ConstanzerBisthum zurückgegangen und hatte hier auf dem Twiel 381 und anderen Burgennahe beim Rhein Sicherheit gesucht. Dürftigkeit, Gefahr und unablässigerKummer hatten sie auch hier in ihren letzten Tagen umgeben, musste dochjeder Triumph, jedes Ungemach der einen, wie der anderen Parthei ihr Herzals Gattin oder als Schwester treffen! Nun war durch ihren Tod die einzigeTochter, die sie noch bei sich gehabt hatte — Adelheid und Berta warenvermählt — Agnes mit Namen, thatsächlich verwaist 5 der ferne Vater ver-mochte sie nicht zu schützen, wenn sich etwa kaiserliche Partheigänger ihrerals Geissei sollten zu bemächtigen suchen. So kann es nicht befremden, wenndie Jungfrau so unmittelbar nach der Mutter Tod, schon „in den Tagen nachOstern" dem schützenden Arme eines Gatten zugeführt worden ist 385 . Dieseraber war Markgraf Bertold, der sich damit aufs Neue in Treuen an RudolfsGeschick kettete. Einen achtungswerthen und sehr edelsinnigen Jüngling,der sich in jeder Art Ehrbarkeit strenge und recht tugendlich führte, so nenntder Reichenauer Chronist den Herzogssohn in den Worten, mit denen erdiese Verschwägerung der die Gregorianer führenden Häuser feiert und vonAgnes setzt er hinzu, sie sei in all' ihrem Wesen nicht minder als ihr Gattetrefflich gewesen. — Wo die Hochzeit gehalten worden ist, wissen wir nicht-,wollen wir sie nicht nach Sachsen verlegen, so müssen wir Rudolfs Anwesen-heit dabei für ausgeschlossen halten. Demi er war die ganze Zeit in Sachsen undfeierte Ostern zu Goslar 38ü . Der neue Schwiegersohn Rudolfs hatte sich nunum so mehr auch als den natürlichsten und erstberufenen Beistand des jungenRheinfeldner Bertold zu betrachten. Ausser diesem Bertold waren übrigensdurch die Schwestern der Agnes auch der zu Gregor's und Rudolfs Partheihaltende Ungarnkönig Ladislav und Ulrich, der Graf von Bregenz, die Schwägerdes jungen Zähringers geworden.
In den gleichen Tagen 3S7 , da sich auf diese Weise die führenden Häuser
388 Bertold Ann. 319.
384 Ueber dessen Zuständigkeit vgl. den Absclm. „Aeinter u. Besitzungen"*.
385 Bertold Ann. 320. (Otto Fris. g. Fr. I u. 7. SA. 19.)880 Bert. Ann. 319.
387 Von Bertold Ann. 319 nach der Osterfeier der beiden Könige berichtet; auchschon als Antwort auf die Belehnung Frieihich's von Staufen fällt die Erhebung Bertold'svon Rheinfeldeu naturgemäss in die Zeit nach Ostern. Ob sie vor oder nach der Ver-