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darin fand sie einen ähnlichen Sinn auch bei ihrem Manne; Hermann undJudith führten schon in ihrer Ehe gemeinsam ein Leben, dessen weitabge-wandte Frömmigkeit ein Bertold von Reichenau, der strenge gregorianischeMönch preist, und auch das Lächeln ihres Kindes, das das einzige blieb, riefdas im Empfindungskreise des Uebersinnlichen lebende Paar nicht wieder indie weltliche Sündigkeit zurück. Schon in jungen Jahren M5 strebte Hermannzur evangelischen Vollendung, wie Bertold von Reichenau sagt; ihr hat erdann auch das Letzte geopfert. Gerade Hermann I ist eine der charakte-ristischsten Persönlichkeiten dieser späteren Zeit des elften Jahrhunderts,deren Denken und Leben sich so fast ausschliesslich in den geistlichen Bahnenvollzog und die ja aus sich die grosse Bewegung der Kreuzzüge in ihrer ersten,reinsten, freilich nur kurze Zeit hindurch ganz unweltlichen Auffassung hathervorgehen lassen. Gewiss neigte auch die ältere Generation vielfach zu denneuen hildebrandischen Ideen, die mit so mächtiger Anziehungskraft durchdie christliche "Welt getragen wurden und zumal in Deutschland nährendenBoden fanden; aber jenes waren doch zugleich Männer, die noch der frischen,lebendigen Zeit der beiden mächtigen Kaiser, Konrad's Hund Heinrich's III ent-stammten. Ein Bertold I musste mit dem freien Worte in der offenen Berathungund mit dem Schwerte in der Hand der Streiter der Kirche und ihrer Partheisein; die Bussübungen hat er mitgemacht, da sie ihm Frieden gaben, dochsich nicht so weit in sie versenkt, dass sie seiner Mannhaftigkeit bis in's greiseAlter den geringsten Eintrag hätten thun können. Aber seinen Sohn nahmdas alles, nahmen die Mienen und Gespräche der Kleriker, die in des VatersHause aus- und eingingen, die Besuche in den befreundeten Klöstern derhildebrandischen Richtung bis in die tiefste Seele gefangen. In seiner weib-lichen und wie es scheint, kränklichen 346 Natur lebt nur schon diese jüngereZeit in ihrer ganzen Geringschätzung, ihrer wegwerfenden Verachtung allerund jeglicher säcularen Dinge, mit ihrer Kasteiung und Selbstabtödtung inschwermüthiger Freudigkeit des Glaubens und mit dem ruhelosen Taumelder Ekstase. Es war die Zeit, da Mönche und Laien, um ganz der Welt zuentfliehen, als Eremiten sich in die tiefste Einöde der Wälder bargen, damächtige Herren ihr ganzes Gut vergabten, um in der abgeschiedenen Zelleeines fernen Klosters in Gebet und Busse zu ringen oder wie Mönch Ber-nold 3 " mit Genugthuung berichtet, „um so viel edler sie in der Weltlichkeitgewesen waren, mit um so mehr erniedrigenden Aemtern sich zu beschäftigenstrebten, so dass, die früher Grafen oder Markgrafen waren, nun in derKlosterküche oder in der Backstube den Brüdern zu dienen oder die Schweineauf dem Felde zu hüten für die grössten Freuden erachteten". Sie thaten
S45 adolescens adhuc. Bertoldi Ann. 276.
846 "Weil er so jung starb. Denn soll das die Askese allein vermocht haben?
347 Zu 1083, S. 439.