Lager am Neckar. 85
ebene in gegenseitige Nähe gekommen sein und ebenso unzweifelhaft zog esHeinrich vor, den offenen Kampf mit seinen Städtern gegen die schwäbischenKitter doch nicht aufzunehmen, er ging vor der Front der Heranziehendenzurück 277 , setzte dann über den Khein und gelangte wieder nach Worms,während die Herzöge ungestört ihren Marsch fortsetzten und bei Rudolf vorWürzburg eintrafen. Heinrich's Absicht war ein Versuch geblieben.
Mittlerweile hatte Heinrich weitere Bewaffnete herangezogen 278 — aberimmer noch zumeist „Handelsleute", wie die Gegner spotteten —, ging mitihnen in der zweiten Augusthälfte m von neuem über den Rhein und schlugzwischen Rhein und Neckar am ebenen Ufer des letzteren ein Lager auf, umdort die Baiern und Böhmen," seine eigentlichen Truppen, zu erwarten. Aufdiese Nachricht hin hob Rudolf die vergeblich 280 geführte Belagerung Würzburgsauf, rückte mit Bertold und Weif in die Nähe von Heinrich's Stellung undlagerte an der gegenüberliegenden — also doch wohl der rechten Fluss-seite* 81 . Rudolf hoffte den Sieg von einer offenen Feldschlacht gegen Hein-rich's geringere Truppen und wäre gerne sogleich über den Neckar gegangen,aber die Furthen waren von den Königlichen zerstört und zudem das jen-seitige Hochufer schwer zu erstürmen. So nahm man denn auf Rudolfs Seitevon einem gewaltsamen Uebergang Abstand.
Rudolf liebte es, für sich vorteilhafte, aber treuherzig klingende Vor-schläge bei dem ritterlichen und viel jüngeren Heinrich in Anwendung zubringen 282 . Diesmal bot er Heinrich an, die beiden Heere sollten auf dem ebenenBoden auf der einen oder anderen Seite des Flusses in Ruhe aufgestellt werdenund dann die Feldschlacht der Heere oder, wenn es den vornehmsten undweisesten der Fürsten so besser erscheine, nur ein Kampf der beiden Königeim Gottesurtheil — wozu doch nicht nöthig war, vorher eines der Heere auf'sandere Ufer zu bringen — über die Krone entscheiden. Heinrich antwortete
277 Bertold Ann. spricht im Gegensatz zu Bernuld von einer plötzlichen nächtlichenFlucht Heinrich's. Weshalb Letzterer, was wieder Bernold an dieser Stelle hat, in derKirche zu Wiesloch („ Wizinloch") über hundert Leute verbrannt haben soll, wird nichtersichtlich. Bertold erzählt letzteres (jedoch ohne Angabe des Ortes und genauere Zeit-bestimmung und überhaupt in der Form eines unbestimmten ihm zugekommenen Gerüchts)erst S. 301 bei dem Rückweg der Königlichen durch Schwaben. Die Anm. 3 S. 79 beiKilian, dessen darstellender Verbindungstext nur ein Abglanz aus Giesebrecht ist, kommtnicht in Betracht.
278 Bertold Ann. 300. Bruno c. 95. Nach beiden zusammen ist, da sie in der Haupt-sache dasselbe in Erfahrung gebracht haben, auch das Folgende erzählt.
279 Am 13. Aug. urkundet er noch in Mainz, St. 2806, wohin er also von Wormswieder gegangen sein muss.
280 Bruno c. 94.
281 Ueber die Windungen des alten Neckarbetts vgl. die topographischen Aus-führungen H. Maurer's in der oberrh. Zs. N. F. III 325 ff.
282 Vgl. oben S. 73.