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Geschichte der Herzöge von Zähringen
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Die Fahrt nach Canossa. 69

jeweiligen Stellung zu den Fürsten gethan hatte. Nur Gregor ist in den In-vestiturkampf mit vollbewusstem Ziel, mit ganzer Energie und mit sorgsamsterVorbereitung gegangen; er hat trotz der Achtlosigkeit des Gregners den Siegvollauf verdient, den er zu Tribur errungen.

Der einzige Weg, der Heinrich von jeder Erwägung vorgezeichnet war,ward ihm nicht schwer; er unterschätzte, wie seine Briefe zeigen, noch jetztden Papst und unterschätzte auch die Demüthigung, der er, nur an die Rebellendenkend, willig entgegenging. Jetzt nachträglich gingen aber auch den Fürstendie Augen immer mehr auf; trotzdem des Königs Lösung vom Banne eine be-schlossene, als Bedingung gestellte Forderung war, verlegten Rudolf, Weif undBertold, und zwar daraufhin, weil über jene erst vom 2. Februar ab entschiedenwerden sollte, dem Verkehr des Königs mit Gregor die Pässe der Alpen 199 .Das mochten Bertold's Leute schon drunten in der Breisgauebene thun, für denFall, dass der König von Speyer her, wo er war, das rechte Rbeinufer auf-wärts seine Boten senden oder selber gehen sollte; denn über das unbewohnteWaldgebirge konnte in diesem Winter, da der Schnee vom Triburer biszum Forchheimer Tage lag und der Rheinstrom vom 11. November bis zumEnde März eine feste Eisdecke trug 200 , Niemand reisen. Aus demselbenGrunde aber muss der König, als er kurz vor Weihnachten sich zum Aufbruchvon Speyer entschloss, trotz des so nahe drüben hegenden zähringischen Gau'szunächst den Rhein auf dem linken elsässischen Ufer hinauf und dann um denSüdfuss der Wasgen herum gezogen sein 201 ; an den beiden Feiertagen warer zu Besancon und begann dann im Januar von Genf aus mit seiner Ge-mahlin und seinem Gefolge den unsagbar mühseligen Marsch über die Alpen.

Gregor seinerseits war bereit der Aufforderung nach Augsburg zu folgen,Um das einmal Gewonnene nicht wieder aus den Händen zu geben; wenigerdringlich war es ihm mit Heinrich zum letzten Schluss zu kommen, da fürdessen Unterwerfung und Lösung vom Bann ja vom Augsburger Tage an nochdrei weitere Wochen Frist gegeben waren. So wenig er die Fürsten ganznach Wunsch lenksam befunden hatte: ging er nur selber nach Augsburg, sokonnte er doch nicht zweifeln, alle Fäden zugleich in der Hand behalten undmit dem grössten Nutzen gebrauchen zu können. Und so begann denn auchder schon alternde Papst die schwere Winterreise; einer der Herzöge — unddazu könnte ja Bertold bestimmt gewesen sein, da er kein Herzogthum zuverwalten hatte — sollte ihn am Fusse der Alpen erwarten 202 . Da nun unter-

190 Lambert SA. 251.

800 Bertold Ann. 286 u. Lambert SA. 250.

201 Damit stimmt auch Lambert's Ausdruck SA. 251 „ut relicto recto itinere inBurgundiam diverteret", wenn man Werth auf das Wort legen will, überein.

201 Jaffe II 257 z. 8. „aliquis ducum". Diese Anordnung erfolgte wohl erst auf dieAufforderung hin, welche in dem Schreiben Jaffe II 543 f. hegt.