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wegs trat Gregor zu Canossa der büssende, Vergebung flehende König ent-gegen.
Gregor konnte nicht sagen, dass nicht alles von Heinrich erfüllt sei,was er gefordert hatte. Aber das hohe Spiel, das zu vollenden er sich nachA.ugsburg aufgemacht hatte, das war durchkreuzt; was nützte ihm alleDemuth,alle Busse, die er verlangt hätte und die ihm jetzt entgegengetragen wurden,wenn er durch die zum vorschnellen Frieden gereichte Hand es mit Rudolf,mit Bertold, Weif und den so eben durch diese auf die römische Seite ge-zogenen Bischöfen verdarb, wenn er in der deutschen Gegenkönigsparthei dieeinzige weltliche Stütze all' seines bisherigen Erfolges verlor ?
So war denn unerhörte Härte, fast übermenschlicher Hochmuth seineletzte, aber hoffnungsreiche Zuflucht. Aber auch sie ward zu Schanden, wardihm genommen durch Thränen. Das hat gerade und mehr als Hugo von Cluny,der ihr vermitteln half, Gräfin Mathilde an dem Manne ihrer Verehrung, anGregor verschuldet. Täglicher tiefster Bussübungen und grosser Selbsternie-drigung gewohnt wusste Mathilde bei Heinrich und in dessen Empfinden inAllem den Stachel zu mildern, den Gregor für unverwundbar hielt, und so hatdenn Heinrich's einseitige Befangenheit das Unglaubliche getlian. Erst später,als der Ruf von der Canossaschmach durch die Lande erklungen war und ausder Deutschen Munde zu dem König zurückscholl, erst da hat ihm unlöschlichauf der Seele gebrannt, wozu er in der Bussthränenwelt des mathildischenSchlosses sich verstanden. — Mit denen des Königs im Büsserhemd aberflössen in den Kemenaten der Burg die Thränen Mathilde's und der anderenvornehmen Damen und die der anwesenden, schon absolvirten Gebannten,dazwischen mahnte Hugo's von Cluny mildes Wort. Und so ist Gregor besiegtworden. Nur eines vermochte er zu retten: wie auch Heinrich sich mit denFürsten abzufinden versuchte, es sollte nichts Bindendes ohne des Papsteshöheren Entscheid geschehen.
Die drei Herzöge und ihre Anhänger waren schon in die grösste Be-stürzung gerathen, als sie des Königs Alpenübergang vernahmen, den sievergeblich zu hindern gesucht hatten. Nun zogen sie die Wachmannschaftan den Pässen zurück und zugleich das Geleit, das Gregor an den Alpenerwarten sollte; gegen die Gründe, die sie für letzteres mittheilten, fand Gregornichts einzuwenden 203 . Eine neue Zusammenkunft nach Ulm ward aus-geschrieben, die um Mitte Februar dann stattgefunden haben inuss 30J ; hier
'■" >s .Tafle II 257.
201 Sieh ergänzende Angaben bei Lambert SA. 265; Bertold Ann. 291; PaulusBernriedensis, V. Gregorii VII bei \Vatterich, PontificumRoiuanorum VitaeLpz. 1862.I. S. 526. Die Zeitbestimmung folgt aus Paul. Bcrnr.: der Augsburger Tag vom 2. Febr.war schon aufgegeben und verstrichen (auch nach Lambert); am 1. März (S. 527) trafandererseits der Graf Manegold mit den Nachrichten von Ulm schon bei dem Papste in