66 1076.
schellen, jener Burg auf breiter Bergkuppe am östlichen Abhang der pfälzischenHaardt, die dort Versammelten den trefflichsten Rundblick über die weiteEbene des Rheines und zugleich über die Berge und Hügel der Haardt unddes Wasgaus gewährt. In Schwaben, Baiern, Lothringen, Franken 189 wardder Tag mit dringenden Aufforderungen zu erscheinen angesagt und, was daswichtigste war, ebenso wurden die Sachsen nunmehr geladen; die beidenKönigsgegnerschaften im Reiche, noch durch das Blut der Unstrutschlachtgetrennt, begannen einander die Hände zu reichen und es war nur noch dieFrage, wer der neue König sein werde.
Aber die Dinge gingen für Gregor 190 zu schnell. Er zog zunächst dietiefe, vollkommene Demüthigung Heinrich's, die ihm mit Hilfe der starkenReichsopposition so nahe erschien, der selbständigen Wahl eines neuen, aufdie letztere gestützten Königs an der Spitze der Deutschen bei Weitem vor;sollte jedoch die Neuwahl unvermeidlich sein, so wollte vor allem er selbergefragt sein und von dem zu Erwählenden vorweg alle erwünschten Bürg-schaften für Rom sichern lassen. Diese Erwägungen waren es, welche ihnseinen Brief vom 3. September an die der Kirche treuen Deutschen schreibenHessen und dessen Inhalt bestimmten, wobei er zugleich schleunige Nachrichtforderte, mit wessen Wahl er denn zu rechnen habe. Dann enthielt derBrief noch einen Punct, über den sich Gregor ebenfalls in dem angegebenenSinne verbreitete: einst hatten die Fürsten der Kaiserinwittwe Agnes ge-schworen, falls sie ihren Sohn Heinrich verlöre, nicht ohne Verständigung mitihr über den Thron zu verfügen. Das beschwerte jetzt doch Einige, oderGregor setzte dies wenigstens voraus: er half ihnen dadurch über dieses —wie ich glaube, von ihm selbst etwas künstlich herbeigezogene — Bedenkonhinweg, dass er rieth, nichts ohne Verbindung mit Agnes zu thun. Das hiessabermals: die Frage der Neuwahl in des Papstes Hände zu überliefern.
So kam der 16. October heran; Siegfried von Mainz, der sein ganzesLeben lang auf der Seite der jeweils Mächtigeren gestanden hat und Anderewaren noch wieder der Ulmer Parthei hinzugetreten. Der König Heinrichhatte mit einer Anzahl Bischöfen 191 und ganz ansehnlicher Truppenmachtseine Stellung in Worms und Oppenheim genommen; so war es fraglich, obdie einzel heranziehenden Gegner, zumal die Sachsen, trotz der von ihnen allenmitgeführten grossen Heerhaufen ungefährdet über den Rhein kommenwürden 193 und unter diesen Umständen fand das Zusammentreffen der Sachsen
des persönlichen Erscheinens des gebannten Heinrich offen. Indessen schon die päpst-lichen Abmahnungen hätten 3er Zusammmenkunft mit ihm doch entgegengestanden.
189 Lambert SA. 240. — In Kärnthen nicht. So begreift Lambert SA. 243 auchHerzog Bertold einfach mit unter den „Soeviae principes".
180 Jaffe II 245ff.
101 Lambert SA. 248.
102 Lambert SA. 243. Bruno c. 88. Bertold Ann. S. 286.