Verbindung Rudolfs und Bertold's mit Rom. 59
Das Verhalten Bertold's und Rudolfs ist nicht zu betrachten ohne denRückhalt, den sie an Papst Gregor VII fanden und zugleich ohne die Ver-pflichtungen, die dies sorgfältig aufrecht erhaltene Verhältniss ihnen auf-erlegte. Schon in einem Briefe ni vorn 7. December 1074 hatte Gregor Hein-rich aufgefordert, sich bei dem angelobten Vorgehen gegen die Simonie imdeutschen Klerus geeigneter Rathgeber bedienen zu wollen; könnte liier einZweifel bleiben, ob die beiden Herzöge, die ja gerade zu der Zeit, da dieserBrief eintraf, mit dem Könige die Sachsenheerfahrt beriethen, in erster Liniegemeint seien, so wird derselbe behoben durch den Brief, den Gregor am11. Januar 1075 an die gemeinsame Adresse Rudolfs von Schwaben undBertold's von Kärnthen richtete '". Gregor, mit solchen — später in die For-meln der päpstlichen Kanzlei ständig aufgenommenen und einheitlich geregelten— ehrenden Zusätzen in seinen Briefen ganz ausserordentlich sparsam, nenntdie Herzöge in der Anrede seine in Christo geliebten Söhne und lobt dieWeisheit und Umsicht, mit der sie die traurige Lage der Kirche erkannthaben. Er erinnert an die Vorschriften der Canones, der Concilien und derPäpste über die Simonie und die Ehe der Priester und fordert beide Herzögeund Alle, auf deren Treue und Ergebenheit der päpstliche Stuhl noch bauenkönne, auf, was auch die Bischöfe in dieser Sache vorbringen oder ent-hüllen mögen, die geistliche Amtsübung Solcher, die sie als mit jenen Makelnbefleckt erkennen würden, auf keine Weise zuzulassen, unter Umständen selbstmit Anwendung von Gewalt, und in derselben Richtung sowohl am könig-lichen Hofe als in den Versammlungen des Reiches ihren ganzen Einfluss ein-zusetzen. Und würden Etwelche fragen, wie denn Solches der Herzöge Amtsei, so sollten sie diesen antworten, sie möchten, statt der Herzöge und desVolkes Heil zu stören, ihre Einwände gegen diese Ausführung der päpst-lichen Befehle in Rom selber anbringen. Der Brief zeigt, dass Rudolf undBertold bei der allgemeinen Missstimmung des deutschen Episcopats gegenGregor weitaus die erste Stütze für seine Bestrebungen in Deutschland waren,zugleich aber erweisen seine Worte iniuncta vobis oboedientia, wie unbedingtsicher er ihrer sein konnte. Für Rudolf ward auf sein vorhergegangenesEingeständniss noch die besondere Weisung hinzugefügt, die Erträgnisse desbisher auch von ihm geübten Stellenverkaufs an Geistliche für kirchliche und
171 Jaffe II S. 142 f.
172 Jaffe II 158 ff. Die gemeinsame Adresse beweist zugleich aufs Neue nicht nurdie enge Verbindung der Herzöge, sondern auch ihren — wie also dem Papst jetzt be-kannt war — gemeinsamen oder doch ganz benachbarten Aufenthalt während der Vor-bereitung zum Sachsenkriege. Es handelt sich, wie der Wortlaut zeigt, nicht etwa umeine bei Anlegung des Copiebuches vorgenommene Zusainmenziehung der Adressen. DieWiedergabe desselben Briefes bei Hugo von Flavigny MGrSS. VIII 428 schliesst übrigensauch Weif in die Anrede ein.