Spaltung der Königsgegner. 55
Der König wäre abermals um die trotzdem verhältnissinässig günstigeLage gekommen, hätte er sofort Baiern an Otto überwiesen; er beschwichtigtedaher dessen Drängen mit der Zusage, diese Angelegenheit binnen Jahres-frist nach Zuziehung der Fürsten zur Erledigung zu bringen 151 . So spalteteer geschickt die gegnerischen Interessen und als er das Osterfest (20. April)zu Bamberg feierte, sah er als erstes Zeichen des Erfolges hier I55 bei sichden geeignetsten Vermittler zwischen ihm und Rudolf, Herzog Bertold vonKärnthen, der also in der Lage war mit dieser Begrüssung des Königs zugleicheinen Gelegenheitsbesuch des Bischofs 15 °, von dem er die Vogtei iu denschwäbischen Gütern des Hochstifts trug, zu verbinden. Auch Siegfried vonMainz, den keine Scham abhielt zu erscheinen, und andere Genossen derSachsen traf Bertold zu Bamberg an 157 . Sie erfuhren, dass dem König in-zwischen die tief empörende Nachricht gebracht worden war, wie die Sachsenbei dem ihnen zugestandenen Abbruch der Burgen sich nicht enthalten hattendie Harzburgkirche zu schänden und mit den Gebeinen von Heinrich's Bruderund ältestem Sohn höhnenden Frevel zu treiben; ob jedoch, und in welchemSinne dann, diese schon den Wortlaut des Friedensvertrages verletzendenScheusslichkeiten zwischen dem König und Bertold in Bamberg etwa zurBesprechung kamen, entzieht sich der Kenntniss.
Es kennzeichnet die ganz veränderte Sachlage, dass Heinrich nach demverunglückten Ungarnfeldzug des Spätsommers im November und December1074 gerade Baiern und Alamannien besuchte, wobei er von Regensburgüber Augsburg nach Reichenau und dann rheinabwärts zog ,68 , also geradedas Zähringergebiet berührte. Und als er dann zu Strassburg Weihnachtenfeierte, da waren diesmal seinem Gebot zum Hoftage die Fürsten in grosserAnzahl und mit stattlichstem Geleite gefolgt 159 . Sicher mit ihnen und zwarals die hervorragendsten Rudolf, Bertold und Weif; sie hatten vielleicht schonden königlichen Umritt begleitet. Gerade Rudolf war ja später einer dereifrigsten und mitinteressirtesten Ausführer der Strassburger Abmachungen;zudem lag die Stadt innerhalb seines Herzogsgebiets. Was aber in der rhei-nischen Bischofsstadt beschlossen ward, das war der neue Kampf gegen diefrevelbelasteten Sachsen, der unter dem Schein eines neuen Ungarnkrieges ge-rüstet werden sollte. Eine solche Wendung war eingetreten, dass als die Sachsen
lM Lambert SA. 147.
165 Lambert SA. 149.
lt0 Das war der Heinrich IV anhangende Hermann I, der, schon lange der Simonieüberführt, bald darauf den schweren Conflict mit Rom hatte und sich in die Ortenau, nachSehwarzach zurückzog. Lambert SA. 207f.
157 Lambert SA. 149.
I5B Lambert SA. 163; St. 2782; Bertold Ann. zu 1074.
140 Lambert SA. 166. Bertold Ann. S. 277.