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Geschichte der Herzöge von Zähringen
Entstehung
Seite
53
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Das Bürgerthum erhebt sich für den König. 53

Der Mainzer Tag kam nicht zu Stande; Heinrich eilte, da er alles aufdem Spiele stehen sah, herbei an den Rhein und kam, nachdem er in Laden-burg schwer krank gelegen hatte, vor Worms. Hier hatte der verlasseneKönig, der alle Glieder des Reiches sich feind und im Bund mit den Aufstän-dischen des Nordens wusste, eine unvermuthete grosse Herzensfreude: dieBürger des blühenden Worms in waffenglänzendem Zuge kamen ihm entgegenund holten jubelnd ihren König ein in die Stadt, aus der sie soeben ihrenBischof vertrieben hatten, der zu den Königsfeinden hielt. Es geschah anjenem Tage etwas Grosses in der Geschichte des deutsehen Volkes: dass einneuer, gänzlich unbeachteter Stand, das Bürgerthum plötzlich auf dem Planeerschien und in die Ereignisse eintrat. Es ward die treue Stütze des fürsten-befeindeten Königs, der schon zu Nürnberg in seiner Verlassenheit den Bürgerndie Ränke, die ihn umspannen, geklagt hatte. Ueberall regte sich's in denStädten: die unmittelbare und überraschende Eolge der Wormser Erhebungwar die, dass die Fürsten, in erster Reihe natürlich die stadteingesessenengeistlichen Herren nicht mehr wagten nach Mainz zu gehen. Wenige, dieahnungslos gekommen waren, rüsteten schleunigst, als sie ihrer Minderzahlinne wurden, Mainz wieder zu verlassen; sie gaben nach, als Heinrich sie umeine noch vor Weihnachten in Oppenheim zu haltende Zusammenkunft er-suchte. Hier war dann nichts dem König so wichtig 148 , als sich von der Ver-läumdung zu reinigen, die Rudolf und Bertold so jäh aus seiner Nähe geführthatte. Man verabredete einen Tag nach der Epiphaniasoctave (13. Januar)1074 für den entscheidenden Zweikampf Ulrich's von Godesheim mit Regenger.Aber zu diesem sollte es nicht kommen, denn Regenger endete, ehe der Tagherankam, der Gottes Gericht über seine Anschuldigung walten lassen sollte,in irrsinniger Verzweiflung.

Wir wissen nicht, wer die Fürsten waren, mit denen zu Oppenheim jeneVereinbarung getroffen ward; man möchte unter ihnen auch Rudolf undBertold selbst vermuthen, da in so vorsichtiger Weise Bürgen für die gegen-seitige Sicherheit bei der Zusammenkunft gestellt wurden U9 . Und dazuwürden auch die Worte am ehesten passen, welche Lambert diejenigensprechen lässt, mit denen Heinrich zu Oppenheim verhandelte. —

Jetzt konnte Heinrich in den späteren Januartagen, die er noch beiden treuen Wormsern weilte, wieder beginnen an die Abrechnung mit denSachsen zu denken, die die zu Gerstungen auf Weihnachten vereinbarte undzu Cöln zu leistende Genugthuung in Folge der schlimmen Tage, die jetztgerade hinter dem Könige lagen, unterlassen und bei einem neuen Vermitt-lungsversuch Heinrich's am 12. Januar zu Corvey seinen Gesandten, die

148 Die Auffassung hier kehrt freilich die unhaltbaren Redewendungen Lambert's(SA. 134) gerade um. Die Gründe dazu führt schon Delbrück S. 38 aus.140 Lambert SA. 133.