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Hessen, ausser sich über den König, diesem sagen: nun binde sie kein Treueidund kein Unterwerfungsversprechen mehr an ihn, der ihnen nach dem Lebenstehe, während sie selbst im Begriff gewesen alles zu seinem Besten zu kehren;er habe yon ihnen nichts mehr zu erhoffen. In dem König andererseits, dernun in der That ganz verlassen war, erwachte das schlummernde Misstrauengegen Rudolf mit zornmuthigem Grimm, er konnte sich nichts anderes denken, alsRudolf habe die schlimme Beschuldigung selbst aus der Luft gegriffen, um denKönig ganz allein zu lassen und ihm auch Bertold zu entziehen; sein gutesGewissen bäumte sich verzweifelt auf, er wollte die königliche Majestät hinten-ansetzen, um selber im Gottesgericht Rudolf vor die Klinge zu fordern. Sosprach er laut zu den Bürgern Nürnbergs, um nur Ohren für sein empörtesGefühl der Schuldlosigkeit zu finden. — Die Verhandlungen über den vonHeinrich geforderten richterlichen Zweikampf, in dem auch der treue Ulrichvon Godesheim 146 für seinen königlichen Herrn gegen Jedermann eintretenwollte, kamen freilich vorläufig zu keinem Ende: Rudolf wollte zuvor alles andie Entscheidung der übrigen Fürsten bringen. Etwas Besseres hatten Hein-rich's Gegner sich nicht erhoffen können. Vereinsamt und allen verhasst undverdächtig, er selbst jetzt ganz und gar verbittert, setzte der König denZug nach Regensburg fort.
Nun rief Siegfried, der Erzbischof von Mainz, der Primas des Reiches,dem es zustand zur Königswahl auszuschreiben, im Einverständniss mit denSachsen die Fürsten des gesammtcn Reiches zur Tagfahrt nach Mainz, Lam-bert sagt, schon mit der Absicht Rudolf zum König zu erheben, und in derThat kann der Mainzer nicht gut, ohne die energischsten Ziele im Auge zuhaben, die selbständige Einberufung haben ausgehen lassen. Auch Bertold warunter den Berufenen und selbstverständlich wurde darauf, dass er erschien, Ru-dolfs nächster Freund, der diesen fast ganz auf die Seite des Königs gezogenhätte, ein ganz besonderer Werth gelegt. Die Ereignisse von Nürnberg habenendgiltig jenes festes Band um Rudolf und Bertold geschlungen, das durch alleWandlungen hindurch die Beiden unzertrennlich aneinander geknüpft undsomit freilich Bertold's Geschichte fortan nur zu einem Anhängsel der Ge-schichte des mächtigeren und ehrgeizigeren Schwabenherzogs gemacht, sieder Selbständigkeit bis an's Ende beraubt hat ,4T .
, - l ° s. Floto S. 397 Anmerkung.
147 Die häufigste Reihenfolge, in der die Quellen die drei oberdeutschen Herzögenennen, ist: Rudolf, Bertold, Weif. Arnulfs Gesta archiepiscoporum MediolanensiumMGSS. VIII S. 30 schreiben bei ihrer kurzen aber sorgsamen Darlegung der Ereignissevon 1075—77: praeeipue duces Bcrtaldus, Rodulfus et Welfo. — In Ranke's WeltgeschichteBd. VII S. 270 heisst es etwas zu kurzab zugleich von Rudolf, Bertold und Weif: „Siewaren die eben emporgekommenen Geschöpfe des königlichen Hauses. Allein mit demKönig hatten sie keinerlei Sympathie".