48 1073.
Herren bei jedem Ton zusammenschreckend, der durch die Waldesstille drang.Bei Eschwege gelangten sie, am vierten Tage erst, heraus, von Hunger,Marsch und Wachen bis zum Aeussersten erschöpft; dort rasteten sie noth-dürftig, dann gings nach Hersfeld. Hier trafen der König und Bertold mitden Uebrigen am 13. August ein und verblieben in dem behaglichen Klostervier Tage zur Erholung und um Nachrichten einzuziehen und Entschlüsse zufassen; hier war es auch, wo Lambert, des Klosters Annalenschreiber, unterden Gästen bereitwillige Erzähler der Ereignisse von der Harzburg und derweiteren Abenteuer fand.
Es scheint, dass Herzog Bertold auch während der nun folgendenEreignisse dem König treu zur Seite blieb; und wenn er nicht etwa stets inder persönlichen Umgebung desselben war, so ist er doch nicht für dauerndnach Schwaben zurückgekehrt. Nocli weniger dachte er daran, in dieser auf-geregten Zeit nach Kärnthen zu gehen. Es sind uns zwar nur spärliche Ur-kunden Heinrich's aus dem Jahre 1073 überliefert, aber gleich das nächstebekannte Privileg, das der König nach jenen Augusttagen veriiehen hat, eineUrkunde vom 27. üctober ,3r> , weist unter den Intervenienten, den ehrendaufgezählten Befürwortern der betreffenden königlichen Gnadenverfügungauch Herzog Bertold auf, und es wird späterhin auch sonst weiter deutlichwerden, dass Bertold, wenn nicht schon früher, Mitte Octobcr bei Heinrich war.
Während inzwischen der Aufstand der Sachsen nach Heinrich's Fluchtum sich griff und sich auch die Thüringer ihm anschlössen, hatten sich diegegen die Polen entbotenen Kriegsvölker theils an der Fulda auf dem Wegezum König, theils bei Mainz zusammengezogen. Noch in Hersfeld trafenMitte August einzelne Fürsten von ihren in der Nähe lagernden Truppenher bei Heinrich ein ; die dagegen bei Mainz Versammelten, nämlich Rudolfvon Schwaben nebst den geistlichen Fürsten Baierns, Schwabens und desRheins lud des Königs Befehl nach dem nicht weit von Hersfeld liegendenKappel 130 . Hier inmitten der Fürsten legte er die von den Sachsen erlitteneSchmach dar, die sein stolzes Herz empörte, flehte er um Hilfe zur Vergeltungund Strafe. Vergessen war, was die, die er jetzt fast sich erniedrigend bat,ihm schon angethan, welchen Argwohn sie selber ihm vor kurzem noch erregthatten; willig gab er Rudolf von Schwaben Gehör, der seit der Versöhnungzu Eichstädt auf den König unablässig im Sinne Roms einzuwirken gesuchthatte, wo am 22. April die stürmische Papstwahl Hildebrand's, Gregor's VIIgeschehen war. Gegen nichts Weiteres mehr war Heinrich gerichtet, annichts mehr dachte er als an den Sachsenkrieg, mit der ganzen Einseitigkeitseiner Jugend.
136 St. 2768.
189 Bezeichnender Weise wird nirgends von kärnthnischen Truppen beim Reichs-aufgebot berichtet. — Ueber Kappel vgl. Giesebrecht III 4 S. 1126.