Bertold als Unterhändler im Lager der Sachsen. 47
was vor dem Tage von Eichstädt lag und auch durch Bertold's Reden leisedurchgeklungen hatte, und seine Worte berücksichtigten daher vor allem, wasJener mit dem einzuholenden Spruch der Fürsten an die Hand gegeben hatte;aber, so gab er zu verstehen, unsere Sache ist eben doch nicht die der Fürsten;überall hat der König Frieden gemacht, um nur uns allein in unserer Ver-lassenheit zu verderben. So lange des Königs Burgen stehen, können wir vonihm nicht Schlimmes genug erwarten, vom Fürstenspruch nichts erhoffen;er breche die Burgen und schwöre uns, so wollen wir noch einmal au Aus-gleich und Frieden glauben; lieber jedoch als dass wir die Burgen noch duldenund es dahin kommt, dass wir Unfreie, dass wir Knechte werden, dass wir dasWasser kaufen, das wir trinken, und das Holz unserer Wälder bezahlen, lieberals dass seine Soldaten mit uns, mit unseren Frauen und unseren Töchternschalten, nein, tausendmal lieber zum Kampfe, um in Tod oder Sieg uns undunsere Kinder als Freie zu erhalten!
Ohne Aufschub sollte der König, zu dem seine Gesandten zurückkehrten,den Befehl geben die Burgen niederzulegen, die er in langen Jahren mit sogrosser Sorgfalt gebaut hatte, sollte er auf eigene Heimstätten in dem Landeverzichten, in dem er so gerne und viel von jeher weilte — er konnte denkläglichen Bescheid nicht geben. Nachgeben wollte er ja; er dachte, es müssesich doch unterhandeln, vermitteln lassen. Nochmals stiegen Herzog Bertoldund die beigegebenen Gesandten den Burgberg herab, nochmals brachten siedieselbe Antwort des hartschlüssigen Volkes zurück.
Nun war für beide Theile natürlich die erste und wichtigste Frage, obder König sich der gefahrvollen Lage werde entziehen können. Die Sachsenumstellten die Wälle und Mauern der Burg mit spähenden Wachen, aber siewurden lässiger, als neue Boten Heinrich's zu Unterhandlungen im Lagererschienen. Unter der Zeit verpackte man auf der Burg die Reichsinsignienund soviel es anging der besten Kostbarkeiten; die zurückbleibenden Treuenerhielten die Weisung die Belagerer auch weiterhin des Königs Anwesenheitauf der Burg glauben zu machen. So brach man in der Nacht des 9. August auf:der König, Herzog Bertold, Benno und Eppo, die Bischöfe von Osnabrückund Zeitz, eine Anzahl vom königlichen Gefolge. Heinrich kannte den Harz,dort hatte er gejagt, dort hatte er die Höhen und den Zug der Thäler mitforschendem Auge durchstreift, als er selber die Stätten für seine Burgenaussuchte. Die Sachsen hatten wohl am wenigsten erwartet, dass der Könignach der Gebirgsseite hin, in die Wildniss der unermesslichen Wälder aus-brechen werde; so entkam der nächtliche Zug ungehindert aus der Burg-pforte und gewann den Wald. Drei Tage schritten der König und die Seinendurch das Dickicht auf kaum bemerkbarer Fährte, ein Jäger voran; allehungernd m , matt, die blossen Schwerter in der Hand, spähend, die geistlichen
134 Also den Proviant hatte man den Zurückbleibenden gelassen.