42 1073.
dessen besonderer Inhalt sogar voraussetzte, dass Bertold in der Lage seioder doch in die Lage kommen könne in Kärnthen regierend einzugreifen.
Diese ganze Harzburg-Angelegenheit und was über dieselbe berichtetwird, zeigt eines deutlich: wie fremd doch Bertold gegenüber den kärnthnerDingen stand und selbst ungenau und nur durch Hörensagen über sie unter-richtet war. Dann weiter haben wir, nur die öffentliche Absetzung Bertold'sabweisend, als wirkliche historische Grundlage der ganzen Erzählung dasfestzustellen, dass der Eppensteiner Markward, des einstigen Herzogs AdalberoSohn, die reichskundige Entfremdung zwischen dem Könige und Bertold be-nutzte, um offen eine Herrenstellung in Kärnthen in Anspruch zu nehmen —denn das lag als Thatsache bei dem Gespräch auf der Harzburg zu Grunde ,2 ° —und ferner auch wohl, trotz der oder vielmehr wegen der gewundenen Ausredendes Königs 131 : dass dieser es nicht ungerne gesehen und vielleicht sogar inder Stille begünstigt hat, wenn anstatt des Trägers des leeren Herzogsnamens,nämlich des in seiner Königstreue sehr verdächtigen Zähringers der eigene Ver-wandte des Königs, Markward, ein neues wirkliches Herzogthum in Kärnthensich zu erringen begann.
Ueberblicken wir noch einmal die ganze Sachlage. Bertold war ein alterMann, der schon einen Enkel auf den Knien wiegte; in allen den Jahren warer, auch unter den Regentschaften, kaum je am Hofe erschienen l33 . Er hieltzu Rudolf und galt als betheiligt bei den Plänen der Unzufriedenen, aber docheben nur als Gesinnungsgenosse und ruhigerer Theilnehmer; nur der kleinereTheil der Annalisten erachtet es für nöthig, wenn von dem Fürsten widerstanddie Rede ist, seiner ausdrücklich zu gedenken; hatte es uns doch einzig derBrief Anno's wissen lassen, dass auch Bertold unter den Männern von Triburwar. Bei der Aussöhnung zu Worms genügte es, dass Rudolf erschien; auchdes Königs Augenmerk fiel also nicht mit in erster Linie auf Bertold. Aberandererseits hatte der König auch am wenigsten Grund hemmend einzugreifen,wenn des Zähringers schattenhaftes Herzogthum immer mehr zum Gespött
120 Lambert SA. 117. „Marcwardum privata praesumptione fincs alienos invasisse"und dass Markward „honores publicos . .. temerasset".
121 „suo iniussu, sine consulto principum". Wenige Tage nach dem Gespräch sahLambert diejenigen, die dasselbe unter sich gehabt und auch die es etwa mit gehört habenmochten, im Kloster Hersfeld. — Unsere ganze Auseinandersetzung, soweit sie abweisendist, wird dadurch noch bestätigt, dass Markward in einer nach seinem Tode ausgestelltenUrk. Heinrich's IV (St. 2918, WUB. I 300) nicht als verstorbener Herzog, sondern blossals donmus Marquardus, sein Sohn aber als Herzog bezeichnet wird. — Delbrück S. 37und Wahnschaffe S. 64 greifen die Thatsächlichkeit des Harzburggespräches an, ebenweil auch sie nicht an die vorhergegangene Absetzung glauben. Letzteres allein ist keinGrund; gerade mit dorn Gespräch ist alles viel klarer. Lambert's Böswilligkeit entschädigtsich vielmehr anderweitig: mit den Ausdrücken, in denen er den König über Markwardreden lässt. Vgl. SA. 117.
123 Intervenient nur St. 2631. 2632.