Die angebliche Entziehung Kärnthens. 41
sich gewonnen hatte; vor derlei Klugheit, die ihn selber an des RheinfeldnersStatt in das Herzogthum seines heimathlichen Schwaben hätte führen können,ist er bewahrt geblieben.
Rudolfs Verhalten 1 15 blieb nach dem Wormser Tage und der Aussöhnung,die er so wenig ernst genommen hatte, dasselbe; bald mussten wieder diehinhaltenden Gesandtschaften zwischen dem Könige und ihm hin und her gehenund hatten eine gefährliche Strenge des Einen, voreilige Schilderhebung desAndern mit knapper Mühe zu hindern. Dem Kärnthnerherzog Bertold abersoll — so wird erzählt — wegen desselben Aufruhrverdachts, der Rudolftraf, der König, als er das Weihnachtsfest 1072 zu Bamberg feierte, als Ab-wesendem und ohne ordentliche Verhandlung Kärnthen entzogen und diesesan Markward von Eppenstein gegeben haben " G .
Doch dieses Vorgehen Heinrich's, das ein vielfach anzufechtender Er-zähler allein berichtet, kann unmöglich in dieser Weise stattgehabt haben.Denn Lambert selber muss bei Schilderung der Vorgänge auf der Harzburgzum August 1073 erzählen 117 , der König habe sich dort gegenüber Bertoldmit den heiligsten Betheuerungen verschworen, Kärnthen an Niemand andersübertragen zu haben: da vermeidet also schon der Wortlaut überhaupt voneiner Entziehung zu reden, und ferner, wenn eine solche und eine ander-weitige Uebertragung auf einem öffentlichen Hoftag stattgefunden hätte, sohätte es, und wäre er selbst ein aller Wahrheit offen in's Gesicht schlagenderMann gewesen, der König nicht leugnen, hätte Bertold sich nicht so völligbeschwichtigen lassen können l18 . Auf diese Rücksprache auf der Harzburgkomme ich bald in ihrer ganzen Klarheit, die selbst Lambert nicht zu trübenvermag, zurück. Dazu kommt als ein immerhin beachtenswerther Einwandgegen Lambert ferner, dass Gregor VII noch unter dem 11. Januar 1075Rudolf von Schwaben und „Bertulfo duci Careittano u einen Brief sandte U ' J ,
115 Nach Lambert SA. 104.
110 Lambert allein. Ekkehard's Uraug. ganzer Bericht hierüber (S. 198), so weit erchronologisch entwirrbar ist, bezieht sich auf spätere siebziger Jahre, da er Liutolf nenntstatt Markward's. Vgl. unten zu 1077. Ganz dasselbe trifft für die fast 100 Jahre späterenCasus Petrishus. MGSS. XX 645 zu.
117 Lambert SA. 116 f.
1,8 An die Entziehung Kärnthens glauben u. A. Chr. Fr. StälinI 498; Tangl VI 364;Pickler B. d. B. S. 61; Grund S. 27. Aber an sich liegen alle Verhältnisse so, dass selbstdie Lambert hier Glauben Schenkenden sich z. Th. veranlasst scheu eine RückgabeKärnthens an Bertold zu Palmsonntag 1073, wie sie doch von den Quellen nicht berichtetwird — eben weil sie nicht nöthig war und nicht geschehen ist — zu construiren, so Giese-brecht III 4 178; Lindner S. 73; Honking S. 4; P. Fr. Stalin I, 212. — A. Huber's kurzeWorte auf S. 210 seiner Gesch. Oesterreichs (Heeren-Ukert'sche Sammlung) Bd. I Gotha1885 neigen der hier vorgetragenen Ansicht zu.
119 Der Brief Jaffe Bibl. II 158 ff. Es handelt sich um die Zurückweisung anti-gregorianischer Bischöfe in den Herzogthümern beider Adressaten. Vgl. unten zu 1075.