Zunehmende Entfremdung zwischen dem König und Bertold. 39
Baiern, der als ein recht gewissenloser Mann 107 .zum Bundesgenossen beson-ders gebraucht werden konnte und es in der That ward, unendlich viel er-wünschter, als die dortige Erneuerung der unmittelbaren Königsregierung 108 .Doch mit der Lenksamkeit des Königs auf die Dauer war es vorbei - , es warnur zu viel an ihm verübt worden, um ihn mit Recht misstrauisch zu machengegen alle irgendwie Mächtigeren im Reiche; er gelangte dazu Geringere,meist jüngere Leute aus Schwaben mit Schenkungen und Ehrenstellen zu er-heben, sie um sich zu haben und auch ihrem Rathe zu folgen 109 . Da zogensich natürlich genug Jene, wo sie nichts mehr mitzuregieren fanden, auchäusserlich mit unverhehlter Absichtlichkeit zurück. Der Annalist von Alt-aich und Andere erzählen diese im Reiche Niemand verborgenen Dinge 110 ;sie heben auch hervor, dass der König gerade von Rudolf und Bertold— welche doch am peinlichsten dadurch berührt sein mussten, hinter jenenaus Schwaben gebürtigen „Räthen" zurückzustehen — diese Geflissenheitschwer ertrug und sie mehrfach vergeblich auffordern Hess, am Hofe zuerscheinen 111 . Nun hiess es 112 , dass Rudolf mit seinem Freunde Feind-seliges gegen den König und das Reich im Schilde führe, und während dieEinflüsterung hier das Ohr des Königs fand, ward sie begründet und wahrgemacht durch die Gedanken und Pläne, bei denen die Herzöge selber schonanlangten" 3 . Dringlicher wurden die Aufforderungen des Königs an beide
107 Der Vorschlag Weif s setzt Rudolf in der Achtung am meisten herab. "Weifwar Tochtcrrriann Otto's von Nordheim, so lange dieser Herzog war, aber danach be-durfte seine eheliche Treue des Beweises mehrfacher Eide und schliesslich sandte er dieGattin dem Vater doch zurück und wurde nun mit Anhangskauf und mit Rudolfs Hilfoselber Herzog von Baiern. Lambert SA. 84.
103 Auf die freundlichen Beziehungen, die zwischen Heinrich und Rudolf zu dieserZeit bestanden, weist auch die Urk. St. 2742 (Herrgott G. H. II 1 S. 124), in der ErstererSt. Blasien Güter schenkt, die er zu diesem Zwecke von Rudolf erbeten und erhalten hatte.
1,9 Von ihnen wird der besonders bevorzugte Graf Eberhard von Neuenbürg, derSohn des einstigen Nachbargrafen des Zähringers (s. o. zu Anm. 62) doch als ein be-sonnener Mann, auch von Lambert (SA. 85) gelobt.
110 Ann. Altali. zu 1072 SA. 98. — Bertold Ann. S. 275 mit denselben Gründen undmit ausdrücklicher Nennung Rudolfs, Bertold's und Weifs, doch erst zu 1073. Eudolfist zwar am 29. Dcc. 1071 (St. 2751) am Hofe anwesend, trotzdem kommen die Altah. mitihrer Datirung der Entfremdung (schon lange Zeit vor 1072 und damals besonders) inerster Linie in Betracht. Lambert's ganzer Bericht (s. u.) ist in innerer Uebcreiustimmunggerade mit ihnen. Die Entfremdung konnte sehr wohl „per longum tarn tempus" (Altah.)fühlbar sein und doch der Rheinfeldner Weihnacht 1071 einmal am Hofe erscheinen.
111 Ann. Altah. 1. c. zu 1072. — Der Hof war März/April 1071 in Schwaben ge-wesen, vgl. St. 2741 f. Im Jahre 1072 machte er im Januar den Weg Lorsch-Regensburgund ging sodann nach Niederdcutschland.
112 Altah. 1. c. und Lambert SA. 102. Er stellt im Gegensatz zu den Altah. denVerdacht zeitlich vor die ergangenen Aufforderungen.
113 Die Mainzer Annalen von St. Alban (Ann. Wirzib. MGSS. II 245 und Ann.