38 1066-1072.
hatte Heinrich die Schwertleite empfangen; nach Ostern des Jahres 1066 ver-fiel er in schwere Krankheit und als der schon von den Aerzten Aufgegebene zuendlicher Wiedergenesung kam, erfuhr er, „wie einige der Fürsten in Hoffnungund Gier den Thron des Königthums schon in Beschlag genommen" 10ä . Da-nach wurde dann bald seine Hochzeit mit Berta, die ihm als kleinem Knabensein Yater verlobt hatte, gefeiert i0i . Mehr und mehr entwuchs er nun dochden Fürsten und als von Rom aus verweisende Worte gegen die der clunia-censischen Art allerdings so wenig entsprechenden simonistischen und herrsch-lustigen Kirchenfürsten Deutschlands, gegen Anno und Siegfried hauptsächlich,ergingen, als Adalbert von Bremen sich wieder am Hofe in der königlichenHuld sonnen konnte und dann auch Gottfried von Lothringen gestorben war,der zurückhaltendere aber mächtigste Mann in dem kölnischen Bunde, derden König darnieder gehalten hatte — da athmete Heinrich auf, da konnteer handeln, und was nun durch ihn geschah, das war nicht nur Vergeltungfür das, was er mit dem einzigen Trost auf die Zukunft in schweigendem,brütendem Hinnehmen getragen hatte, es war mehr, nothwendigeres: Selbst-erhaltung. Auf Otto von Baiern, mit dem er es 1070 noch einmal in Güteversucht hatte, ging er zuerst los, den bei vielen guten und tüchtigen Eigen-schaften gewaltthätigsten und unstetesten der Herzoge, der auch seinen eigenenZielgenossen kein dauernder Vertrauensmann und Verbündeter gewordenwar. Anlässe und Anklagen lagen vor und kamen schwer genug hinzu; wegenHochverraths wurde der Nordheimer verurtheilt und wenn er auch durchUnterwerfung sicli Milderung verschaffte, so blieb doch er zunächst nicht mehrzu fürchten. Nur die Sachsen, längst gegen den Sohn Heinrich's III murrend,hatten laute Sympathie für Otto, ihren Heimathgenossen bekundet l0ä ; Rudolfvon Schwaben, der Burgunder, ganz anderer Art denn jene, hatte sofort beidem Könige befürwortet und erlangt, dass Weif, der Sohn Azzo's von Esteund der letzten Weifin des älteren Stammes, das durch den Spruch über Ottoerledigte Herzogthum Baiern empfing. Der anscheinend in Treue gegebeneRath empfahl ja seinen Spender, der nun wieder in königlichen Urkundenals Intervenient erscheint ,0 ° und immerhin jetzt noch einmal gedacht habenmag in mehr freundschaftlicher Art auf seinen jungen Schwager Einfluss übenzu können; für Rudolf selbst war natürlich der neue Herzog im nachbarlichen
10a Nach Ann. Altah. SA. 83. Lambert erzählt S. 70f. in seiner Art dasselbe.
">* Vgl. über die Vermählung und das Verhältniss der Gatten die klärenden Aus-führungen Meyer von Kuonau's 1526f. Anm. 61 gegen Giesobrecht's Darstellung, undS. 612 ff.; über Berta's Antheil an der Regierung auch Mehmcl S. 82 ff.
106 Nachdem ihn gerade Sachsen im Gericht zu Goslar verurtheilt hatten. MehmelS. 67—72.
106 Herzog Bertold hielt sich mehr zurück. In St. 2743 vom 11. Mai 1071 sind z. B.Rudolf und Weif als Fürbitter aufgeführt, Bertold nicht; ebenso St. 2751 1071 Dec. 29,"Worms.