Rudolf u. Bertold Freunde Anno's. 37
— damit schliesst der Brief — wollte Keiner mit ihm davon reden. Das ge-schah aber darum, weil, während Anno draussen bearbeitet wurde, dieVersammelten drinnen bereits den ebenfalls in Italien bewanderten Otto vonNordheim zum Boten des Reiches an Papst Alexander erwählt hatten.
„Amici mei Rodulfus atque Bertoldus" — sie also hätten — „dili-gentia, quam ego ipse, intuentes" — des sechszehnjährigen Königs ver-stellte Zustimmung und arglistische Aufforderung richtig gewürdigt, währendAnno mit den Uebrigen zunächst nur bereitwilliges Fügen sah. Man sieht,es lag dem im Reiche so bestimmenden erzbischöflichen Briefschreiber zurZeit daran, in Rom für recht harmlos zu gelten.
Trotzdem enthüllt dies interessante Schreiben von der in den sechs-ziger Jahren so dunklen Geschichte Bertold's so viel, dass man erkennt, erund Rudolf waren, wenn sie es nicht schon vorher waren 101 , seit 1062 ver-traute Freunde Anno's, mehr und beständiger als der Baiernherzog Otto, ge-worden. Von dem letzteren war Anno nach den Eingangsworten seinesBriefes ohne Nachricht und, nach dem Ganzen zu urtheilen, sogar ohne nähereBeziehung zu ihm, durch ihn beunruhigt. Gleichzeitig versichert uns nunaber die zugleich erklärende und empfehlende Art, in der Anno dem Papstevon Rudolf und Bertold spricht, dass Beide damals noch ohne eigene Be-ziehungen zu Rom und der hildebrandischen Parthei waren, dass ihre Stellung-nahme zu all den Dingen sich noch auf ein gleiches Interesse mit Anno undzwar innerhalb des Reiches beschränkte. Unzufriedenheit mit der bisherigenReichsleitung und mit dem jungen König selber, Begierde nach Unabhängig-keit und auch nach Einfluss sind es, die alle diese Fürsten zu Bundesgenossenund widerum auch zu einander hemmenden Rivalen machen, nur Anno hatschon den Weg gefunden, die eigenen Pläne mit der tieferen und umfassen-deren Tendenz gegen die Herrschaft des Kaiserthums, die von Rom ausgeht,in Verbindung zu setzen und diese Verbindung nun auch im Reiche aus-zunutzen, um seiner Anhänger Murren und Wünsche zu grösseren Gesichts-puneten, zu einer Richtung zu erheben und eine von Gedanken getrageneParthei zu beherrschen.
Nun folgen die Jahre, die Rudolf und Bertold immer enger aneinanderschliessen 102 und andererseits die innere Entfremdung des Königs und derFürsten von einander zum landkundigen, offenen Bruch zeitigen sollten. 1065
101 Rudolf war ja verwandt mit Ekbert von Braunsehweig, dem Helfer Anno's zu-Kaiserswerth. Vgl. über die Verwandtschaft "W. ü-isi, Anz. für Schweiz. Gesch. 1887, 25 ff.
1112 Rudolfs Sohn, der in den sechsziger Jahren geboren sein muss (vgl. unten denAbschnitt „Bertold II und Gebhard"), erhielt den Namen Bertold. Ich finde dafür in denverwandtschaftlichen Beziehungen Rudolfs keinen ganz naheliegenden Anlass; es müssteetwa der Täufling ungewöhnlicher "Weise nach der Tante Berta oder nach dem Bruderseines Urgrossvatcrs genannt worden sein; so möchte ich denn wenigstens daraufhindeuten,Rudolf habe durch diesen Namen seines Sohnes etwa den befreundeten Zähringer geehrt.