Druckschrift 
Geschichte der Herzöge von Zähringen
Entstehung
Seite
35
Einzelbild herunterladen
 

Der erste Tag von Tribur. 35

seine Leitung bei den Fürsten, der prunkende Glanz, den er nun auch demköniglichen Haushalt gab, bei den einfachen Leuten, bei Allen die könig-liche Gnadenverschwendung für Adalbert selbst und sein Erzstift, deren Ein-druck nun nicht mehr durch Anno's gleiche Selbstfürsorge abgeschwächtwurde. Umsonst suchte der ErzbischoCdurch weitere reiche Königsspendendas Murren gegen sein Schalten zu beschwichtigen Häufige Fürstenbesprech-ungen gegen ihn fanden statt 90 ; Anno von Köln, Siegfried von Mainz, Ottovon Baiern, Rudolf von Schwaben, für den Adalbert so vieles vergeblich aus-gewirkt hatte, und Bertold von Kärnthen 97 einigten sich, den Verhassten zustürzen. Auf einem von ihnen allen Fürsten angekündigten Reichstage 93in der ersten Hälfte des Januar 1066 zu Tribur verlangten sie mit finsterenMienen von Heinrich, der mit Adalbert erschienen war, die Entfernung desletzteren von der Seite des Königs und die Aufhebung aller Verfügungen,die der Bremer durchgesetzt hatte; soweit hatte es schon im Reiche kom-men können, dass sie rundweg erklärten, oder wenigstens, dass ein Chronistes wagen durfte, ihnen diese Erklärung in den Mund zu legen: im anderenFalle möge sich der König seines Königthums begeben 99 ; jedenfalls soweit,

00 Nach Lambert SA. 68. Er nennt nur die Erzbischöfe von Köln und Mainz cumceteri«, quibus curae erat res publica. Die im Text Genannten sämmtlich mit EinschlussBertold's (oebst dem Salzburger Erzbischof und mehreren Bischöfen) nennt Anno's BriefGiesebrecht III 4 1243ff. als anwesend zu Tribur; an sie ist bei Lambert'sceteri" zu denken,da diese bei Lambert zugleich die Handelnden von Tribur sind. Anno, Siegfried, Rudolfund Gottfried von Lothringen nennt das Chron. Lauresh. MGSS. XXI 415 als zugegen aufdem Tage zu Tribur. (Rudolf hatte durch Adalbert die Abtei Kempten, sein ganz un-geeigneter Bruder den Bischofsstuhl zu "Worms erhalten).

07 Dass Bertold irgend eine Königsgunst durch Adalbert erfahren habe, findet sichnicht; dagegen eine königl. Schenkung gerade für den Markgrafen Ulrich von Istrienob fidele servitium" (St. 2650. MJÜG. I 294), der auch als Intervenient vorkommt(St. 2630. 2700.)

08 Die Einberufung durch die Fürsten Lambert SA. 68. Der erwähnte Brief Anno'skönnte auf Einberufung durch den König gedeutet werden, aber bezieht seine "Worte nurauf eine einzelne engere Zusammenkunft. Giesebrecht III 4 126 und H. Delbrück,Ueber die Glaubwürdigkeit Lambert's von Hersfeld. Bonn 1873 (wohl Dissert.) S. 19 sehengegen Lambert's Angabe den König als den Einberufenden an. Jedoch auch Adam's vonBremen "Worte SA. 128 f. sind bestätigend für Lambert.

90 Die Thatsächlichkeit der Drohung wird Lambert bestritten von Floto I 312,Lindner S. 52 Anm. 1, Grund S. 15, Delbrück S. 20, schweigend auch von Giesebrecht III 4127, festgehalten von Ranke, "Weltgesch. VII 229f. Meyer von Knonau 1 489 schliesst sichden Zweiflern an, ohne auf d!j Drohung im besonderen einzugehen. NB. um Lambert'sBericht von dem Hauptanstoss zu entlasten: könnte man etwa beiministros regis" (SA.69, z. 19) einen ganz alten Lesefehler fürirrimicos regis" (im Gegensatz zu den bald daraufgenannten amici) annehmen? Ohne das ist freilich das Ganze unverständlich, woraus abernoch nicht auf Unwahrhaftigkeit geschlossen werden kann. Gerade unwahre, künstliche Er-zählungen pflegen ja klar zu sein. Die Conjectur an sich kann also nur den Sinn, nicht dieZuverlässigkeit retten.

3*