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Geschichte der Herzöge von Zähringen
Entstehung
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32 1061. 1062.

eigentliche Einwirkung auf das Reichsregiment blieb, Rudolf von Schwaben,der nachMathilden's frühem Tode dasselbe Band neu knüpfte und zum zweitenMale der Schwager des jungen Heinrich IV ward, indem er die Schwester derKönigsbraut, Berta, eine andere Tochter der Markgräfin von Turin als Ge-mahlin heimführte. Allmählich freilich änderte sich Manches. Rudolf istder Kaiserin stets werth geblieben; aber so wie sie in den Jahren ihrerWittwenschaft mehr und mehr sich dem Kreise jener weitabgewandten Ge-danken oder vielmehr Empfindungen überliess, mit denen das Kloster Clunyschon längst das Land ihrer einstigen Mädchenzeit durchdrungen hatte, wiesie selber in die geistlichen Richtungen und die entsagende, nur Gottes be-dürftige Art einlenkte, die der Grundzug dieses Jahrhunderts zu werden be-gannen, so trat auch der mannhafte Herzog, ihr Schwiegersohn, allmählichaus ihrem Gedankenleben zurück, in welchem die geistliche Gestalt BischofHeinrich's von Augsburg immer mehr Raum gewann. Das aber liess böseWorte aufkommen und erbitterte die nun hinter Jenem zurückstehendenFürsten, am ausgesprochensten den auch durch Anderes verletzten Gunter,vielleicht aus Babenberger Geschlecht, den glänzenden und die Macht lieben-den, grosser Dinge und alter deutscher Art und heldenhafter Sagen frohenBischof von Bamberg. Es gab also, wie jetzt erkannt wurde, die Möglichkeitlenkenden Einflusses am Hofe, gab auch die Möglichkeit des Personenwechsels,und das war schlimm, es liess den Neid oder den Missmuth cmporschlagen,selbst dort, wo vielleicht sonst vielfach Treue geblieben wäre. Die Mächtigstenund Rücksichtslosesten aber thaten sich zusammen und ihr Handstreich glückte:jene That am sonnigen Frühlingsnachmittag 10fi2 zu Kaiserswerth, da Annovon Köln im Einverständniss mit Otto von Nordheim und Ekbert von Braun-schweig den königlichen Knaben der arglosen Mutter raubte und den Trägerder Krone in seine erzbischöfliche Residenz verbrachte® 2 . So entstand dasRegiment des Reiches, in welchem Anno die thatsächlicbe Leitung hatte,während Agnes nur noch in der wehrlosen Znrückgezogcnbeit frommerUebungen den Ausgleich ihrer Seele suchte oder widerstandslos sich denHütern des jungen Königs näherte, nur um vorübergehend ihren Knaben mitMutteraugen sehen zu dürfen.

Schon um Herzog Bertold's späterer Stellungnahme willen darf die Betrachtung dieser Vorgänge nicht getrennt werden von den weltumwandelndenDingen, die sich zu dieser Zeit in Rom begaben oder vorbereiteten. Hierhatte Hildebrand, der Mönch, i. J. 1059 sein grosses Werk zu Stande ge-bracht, das Papstwahldecret, das Nicolaus II der Welt verkündete unddurch das die ihre Selbständigkeit erkämpfende Curie vor allem die Kaiser-

9 " Lieber den berühmten Erzbisehof vgl. Th. Lindner, Auno IT d. Heilige, Erzb. v.Köln. Lpz. 1869. Ueber die That von 1062 S. 30 ff.:Klar ist, da9s Anno von seinemeigensten Interesse geleitet wurde".