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Geschichte der Herzöge von Zähringen
Entstehung
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30 1061.

haupt ernstlich an die Besitznahme gedacht hat. Ebensowenig hat dieReichsregierung etwas dafür gethan, die Einführung des von ihr eingesetztenHerzogs zu erleichtern. Die Quellen aus Bertold's Zeit, die uns vonalledem erzählt haben würden, sie schweigen todtenstill. Und auch ausKärnthen selber tönt nicht die geringste Kunde herüber, dass der Herzog imLande gewesen sei, dass er auch nur eine Urkunde für Bewohner desselbengegeben, auch nur eine Verfügung erlassen habe; es hat gar keinen, nichteinmal feindseligen, Eindruck hinterlassen, dass der Schwabe ihnen zum Herzoggesetzt worden. Zwei Schriftsteller allein, spätere aber, berühren das ganzeVerhältniss: Ekkehard, der ohne weiteres annimmt, der Herzog sei ruhig da-heim in Schwaben geblieben 87 ; und dann Otto von Freising, der unterrichtete,scharfe Beobachter des mit den dem Bischof nahestehenden. Staufern sovielfach wetteifernden Zähringerhauses, der mit schneidender Kürze, ohnedass wir Einspruch erheben können, von dem Herzogthum Kärnthen spricht,das die Zähringer niemals gehabt haben 88 ."

Natürlich hat dieser thatsächliche Nichtbesitz des Herzogthums nichtgehindert, dass Bertold sich selbst ständig als Herzog Kärnthens bezeichneteund dass ebenso danach sein Sohn den leeren Titel eines Markgrafen von Veronaführte der einzige Markgraf in Kärnthen, der dem Herzoge gehorchte;es hat ebenso wenig die Zeitgenossen, weder Kaiser und Papst, noch be-scheidene mönchische Schreiber abgehalten, in. öffentlichen Schriftstückenoder in privater Aufzeichnung den angesehenen und mächtigen, nunmehr zurHerzogswürde emporgestiegenen Mann mit dem die letztere begründendenTitel zu bezeichnen. Solche Verhältnisse waren im Reiche geworden: beiHerzog Konrad III hatte man es noch als Curiosum vermerkt, dass ersolonomine" Kärnthnerherzog gewesen, beiBert'old schon fiel es Niemandem mehrauf oder sprach doch wenigstens Niemand von denen, die wir noch kennen,es ausdrücklich aus, dass der aus des Reiches Gewalt bestellte Herzog seinLand und seine Unterthanen niemals zu sehen bekam.

Es ist aber von der andern Seite nicht minder natürlich, wenn Bertoldnach 1061 nicht länger der Graf schwäbischer Gaue unter dem Herzogthumdes Rheinfeldners geblieben ist; schon für beide Herzöge selbst muss ja einsolches Verhältniss lästig gewesen sein. So erscheinen denn in der Folge seine

87 Ekkehard Uraug. Chr. S. 19fr: Conspirat ...... Berhtoldus in Suevia.

88 Otto Fris. G. Fr. I c. 9 (SA. 21):a ducatu üarentano, quem nunquam habuerunt."Eigentümlich ist überhaupt die Stellungnahme der Quellen. Lambert spricht

meist ausdrücklich von Bertold als von dem Herzog der Kärnthner; andere, gut unter-richtete Zeitgenossen lassen bei Bertold's Herzogstitel, den sie doch anerkennen, lieberden Zusatz Kärnthen weg, während sie bei zugleich mit ihm genannten Herzogen (wieWeif) das Land beifügen; ebenso verfahren fast regelmässig auch die späteren Schrift-steller; die Casus monast. Petrish. nennen sogar einmal ßudolf und Bertold I zusammenduees (!) Alamannorum oder bezeichnen letzteren auch schonvon Zähringen".